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30. Oktober 2016, von Michael Schöfer
Die Bolivarische Mathematik


Dario Azzellini schreibt in seinem Artikel "Was ist los in Venezuela?" auf amerika21: "Die Opposition brauchte in der ersten Runde nur die Unterschriften von einem Prozent der Wahlberechtigten (cirka 120.000 Unterschriften), gab aber rund zwei Millionen ab. (…) Mehr als ein Drittel davon stellten sich als falsch heraus." Mit dieser Begründung hat der Nationale Wahlrat Venezuelas die zweite Runde des Amtsenthebungsverfahrens vorläufig ausgesetzt. Eine recht eigentümliche Logik des Wahlrats. Wenn nämlich die Opposition rund zwei Millionen Unterschriften abgegeben hat und davon angeblich mehr als ein Drittel davon falsch waren (ca. 660.000 Stimmen), bleiben immer noch ungefähr 1,3 Mio. gültige Stimmen übrig. Die Opposition hat somit zehnmal mehr gültige Stimmen gesammelt, als notwendig gewesen wären. Die Bolivarische Revolution von Hugo Chávez beeinflusst offenbar auch die Mathematik. Alles im Namen des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", versteht sich. Na, dann ist es ja in Ordnung.