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07. Oktober 2016, von Michael Schöfer
Apokalyptische Angstkulisse


Leserbrief von Norbert Patzner (Bad Mergentheim) in der heutigen Süddeutschen: "Wer Kohle, Öl und Erdgas verbannen will, der hat zwei Möglichkeiten: Entweder er ersetzt diese fossilen Energieträger durch Kernkraftwerke oder er führt uns wieder in vorindustrielle oder steinzeitliche Verhältnisse zurück."

Ei der Daus, sind die letzten 30 Jahre der Diskussion über die erwiesenermaßen brandgefährliche Atomkraft (Tschernobyl, Fukushima) an Norbert Patzner etwa völlig spurlos vorbeigegangen? Klingt fast danach, denn wer "argumentiert" heute noch mit dem Rückfall in die Steinzeit? Keiner. Na ja, anscheinend mit Ausnahme von Patzner. In einer Zeit, in der der Ausbau der Erneuerbaren (Windkraft, Solarenergie etc.) von der Politik gedeckelt wird, damit er nicht zu groß wird (was im Übrigen ein schwerer Fehler ist), sind solche "Argumente" einfach absurd. Der Erfolg der Erneuerbaren ist nicht mehr aufzuhalten - mithin das genaue Gegenteil einer nahenden Steinzeit.

Patzner ist Mitglied des Landesfachausschusses Umwelt und Energie der FDP Baden-Württemberg und warnt in seinen Veröffentlichungen die Bürgerinnen und Bürger gerne vor "Ideologen" und deren "apokalyptischen Angstkulissen". Damit meint er die "angebliche Klimakatastrophe". Wieso eigentlich "angeblich"? Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die apokalyptische Angstkulisse, nämlich den Rückfall in die Steinzeit, baut doch Patzner auf. Dass ausgerechnet er, wie die Fränkischen Nachrichten 2014 schrieben, "auf eine Ent-Ideologisierung" drängt, ist geradezu grotesk. Mein Rat: Erst einmal an die eigene Nase fassen!