Home | Archiv | Leserbriefe | Links | Impressum



04. Mai 2019, von Michael Schöfer
Mein Wahl-O-Mat-Ergebnis


Heute habe ich den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung ausprobiert. Und wie ich Ihnen gestehen muss, hat mich das Ergebnis schon ein bisschen überrascht.

Dass ich die AfD keinesfalls für eine wählbare Alternative halte, war eigentlich von vornherein klar, das Wahl-O-Mat-Ergebnis hat meine Ansicht bloß eindrucksvoll bestätigt. Nicht damit gerechnet habe ich allerdings, dass die SPD noch vor den Grünen landet. Knapp zwar, aber immerhin. Obgleich die Sozis gerade Kevin Kühnert niedermachen, weil der sich erlaubt hat, an sozialdemokratische Grundsätze zu erinnern. Doch der Wahl-O-Mat berücksichtigt eben nur die Beantwortung eines Fragenkatalogs, nicht das, was die Parteien davon anschließend umsetzen. Ein kleiner, aber oftmals entscheidender Unterschied. Und der tagespolitische Zwist um den Juso-Vorsitzenden bleibt dabei sowieso außen vor. Oder strengen sich Annalena Baerbock und Robert Habeck einfach nicht genug an? Wobei Habeck sich zugegebenermaßen gut zu inszenieren weiß, aber vielleicht macht mich gerade das etwas misstrauisch. Wie bitte? Okay, Sie haben vollkommen recht: Für den Wahl-O-Mat ebenfalls total irrelevant. Bedenklich für den Zustand unseres politischen Systems ist zumindest: Die Satire-Partei "Die Partei" landet bei mir noch vor der staatstragenden Union. Entscheiden Sie selbst, ob das nun für mich oder die Union wenig schmeichelhaft ist.



Wie auch immer, jedenfalls müsste ich dem Wahl-O-Mat zufolge am 26. Mai bei den Europawahlen für "Demokratie in Europa - DiEM25" stimmen. Eine Bewegung, die mir bislang hauptsächlich durch den früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis ein Begriff war. Immerhin ist das Wahl-O-Mat-Ergebnis Anlass für mich gewesen, einmal deren Manifest für die Demokratisierung Europas zu lesen. Ehrlich, vorher hatte ich dazu keinen Beweggrund. Ob ich so wählen werde, wie es mir der Wahl-O-Mat nahelegt? Ich bitte Sie, Sie werden von mir doch hoffentlich nicht erwarten, dass ich auf mein Wahlgeheimnis verzichte. So viel kann ich Ihnen jedenfalls verraten: Wen ich wähle, steht noch nicht endgültig fest. Selbstverständlich gibt es einen Favoriten. Oder muss ich jetzt sagen, es gab einen Favoriten?