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| Archiv | Impressum 10. Januar 2026, von Michael Schöfer Die Staatspleite wäre Trumps Meisterstück "Donald Trump treibt die Aufrüstung der Vereinigten Staaten voran. Wie der US-Präsident auf der Plattform Truth Social ankündigte, strebt er für das Jahr 2027 einen Verteidigungshaushalt von 1,5 Billionen US-Dollar an. Das entspräche einer Steigerung von mehr als 50 Prozent im Vergleich zu den für 2026 bewilligten 901 Milliarden Dollar." [1] Zum Vergleich: Laut SIPRI soll Russland 2024 149 Mrd. US-Dollar ausgegeben haben, die Volksrepublik China 314 Mrd. [2] Selbst wenn Russland und China ihre Militärausgaben bis 2027 verdoppeln, reichen sie gemeinsam nicht einmal annähernd an das von Trump geplante Militärbudget heran (wobei Russland in diesem Fall wohl drei Viertel seines Staatshaushalts allein fürs Militär ausgeben müsste): 1,5 Billionen (USA) zu 926 Milliarden (RUS + CHN). Das wäre eine bislang unerreichte Höhe des Rüstungswahns. Und was hat der Möchtegern-Friedensnobelpreisträger mit all den Waffen vor? Es ist beängstigend. Doch sind 1,5 Billionen überhaupt realistisch? Das Geld sollte ja sinnvoll ausgegeben werden, und die Kapazitäten der US-Rüstungsindustrie sind schließlich begrenzt. Die Werften in den USA leiden zum Beispiel schon jetzt unter einem Mangel an Fachkräften, könnten zusätzliche Aufträge also kaum stemmen. Jedenfalls nicht so schnell. Kleiner Scherz: Vielleicht wird ja die "Golden Fleet" aus den Schlachtschiffen der "Trump-Klasse" tatsächlich aus Gold und nicht aus Stahl gebaut. Aber im Ernst, wie will Donald Trump das gewaltige Militärbudget finanzieren? Wenn ich mir die offiziellen Angaben des US-Finanzministeriums ansehe, sind die kumulierten Staatsschulden der USA 2025 um sage und schreibe 2,344 Billionen US-Dollar gestiegen (von 36,170 Billionen auf 38,514 Billionen US-Dollar; = amerik. trillions). Das reißen die Zolleinnahmen keinesfalls heraus, der Zoll- und Grenzschutzbehörde zufolge betrugen diese seit dem Amtsantritt von Trump bis Mitte Dezember lediglich rund 200 Mrd. US-Dollar. Und der Supreme Court könnte Trumps Zollpolitik in Kürze als verfassungswidrig verurteilen, dann klafft in seinem Haushalt ein noch viel größeres Loch. Nur ein Loch? Nein, ein riesiger Krater. Ob das von ihm erwartete Wirtschaftswachstum die Steuersenkungen für die Reichen mehr als ausgleichen wird, für massive Rüstungsinvestitionen also Spielraum vorhanden ist, bleibt abzuwarten. Bei Ronald Reagan hat dieser Haushaltstrick, die berühmt-berüchtigte Laffer-Kurve, bekanntlich nicht gewirkt. Die Staatsschulden der USA betragen bereits jetzt 124 Prozent des BIP (wären sie EU-Mitglied, würden sie damit hinter Griechenland und Italien auf Platz 3 der Rangliste liegen). Höhere Staatsschulden sind gleichbedeutend mit einer höheren Zinsbelastung des Staatshaushalts. Es sei denn, das Zinsniveau würde drastisch sinken. Da aber die Anleger schon allein durch Trumps Versuche, die Unabhängigkeit der Federal Reserve infrage zu stellen, nervös geworden sind (die Amtszeit des Zentralbankvorsitzenden Jerome Powell läuft am 15. Mai 2026 aus, der US-Präsident darf den Nachfolger bestimmen), könnten sich die Zinsen für US-Staatsanleihen demnächst sogar spürbar erhöhen. Anleger kaufen nämlich nur noch dann Staatsanleihen, wenn sie für die durch Trump erzeugte Unsicherheit einen Ausgleich bekommen. Die Zitterprämie in Form von höheren Zinsen. Auf dem Spiel steht nichts anderes als der bislang untadelige Ruf der USA, die Schulden garantiert zurückzuzahlen. Bei einem Zahlungsausfall wäre das Beben auf dem Finanzsektor zweifelsohne gigantisch. Wären die realen Auswirkungen der jetzigen US-Regierung nicht so dramatisch, würde ich sagen: Ein in jeglicher Hinsicht spannendes ökonomisches Experiment. Schaun mer mal. Spötter würden hinzufügen: Trump, der als Unternehmer etliche Insolvenzen hingelegt hat, wandelt bloß auf altbekannten Pfaden. Die Vereinigten Staaten in die Staatspleite zu treiben, wäre allerdings sein Meisterstück. ----------
[1]
ZDF vom 08.01.2026
[2] SIPRI, Military Expenditure Database,
Excel-Datei mit 872 KB
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