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| Archiv | Impressum 03. Februar 2026, von Michael Schöfer Regiert die FDP etwa wieder mit? Genaue Zahlen über die Reichen sind rar, weil das Vermögen mangels Vermögenssteuer nicht exakt erfasst wird. Deshalb weiß der Staat zwar bestens über die Armen Bescheid, von den Reichen will er es jedoch gar nicht so genau wissen. Dem Global Wealth Report der Schweizer Großbank UBS zufolge gab es 2023 in Deutschland 2,82 Millionen Millionäre, im weltweiten Ranking lag unser Land damit auf Platz 5. Kleiner Trost, bei den Superreichen mit einem Vermögen von über 100 Millionen US-Dollar kamen wir immerhin auf Platz 3. [1] Man kann es kaum glauben: Hierzulande leben mehr Millionäre als Beamte (2023: 1,76 Mio.). [2] Das Gesamtvermögen der 172 deutschen Milliardäre hat im vergangenen Jahr laut Oxfam inflationsbereinigt um rund 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar zugenommen. [3] Doch wie eingangs bereits erwähnt, so genau wissen wir darüber gar nicht Bescheid. Unterschiedliche Quellen nennen unterschiedliche Zahlen, aber zumindest eines können wir mit absoluter Sicherheit sagen: Den Reichen geht es prächtig. Im Gegensatz zu den Armen: "Rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland hatten zuletzt ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze und galten deshalb als armutsgefährdet. Das waren 16,1 % der Bevölkerung." [4] 2024 waren es noch 15,5 Prozent. In Deutschland wächst also sowohl die Anzahl der Superreichen als auch die Anzahl der Armen. Resümee der Union: Schuld ist der Sozialstaat. Es kann gar nicht anders sein. Konsequenz: Wir (d.h. die Arbeitnehmer, nicht die Millionäre) müssen wieder länger arbeiten und die Rente soll stärker privatisiert werden. Schluss mit der Lifestyle-Teilzeit, dem vorgezogenen Ruhestand und Zahnarztbesuchen auf Kosten der Krankenkasse. Raus aus der sozialen Hängematte! Habe
ich etwas übersehen? Momentan gibt es aus den Reihen von CDU
und CSU nahezu täglich irgendwelche Vorschläge, wie man den
Sozialstaat am besten zusammenstreichen könnte, da verliert
man leicht den Überblick. Zum Ausgleich will die Union die
Unternehmen und die Besserverdienenden entlasten. Motto: Geht
es den meisten Menschen schlechter, geht es der Wirtschaft
wieder besser. Das wollen uns die Regierenden jedenfalls
weismachen. Regiert die FDP, die Partei der sozialen Kälte,
etwa wieder mit? Diesmal sogar als Seniorpartner? Man hat fast
den Eindruck. Wobei: Wer einen Friedrich Merz hat, braucht
keinen Christian Lindner mehr, den Sozialstaat schleifen
schafft der nämlich ganz allein.
Apropos FDP: Wenn CDU und CSU nun teilweise zurückrudern, haben sie vermutlich einen Blick auf den Kalender geworfen und sind dabei erschrocken. Huch, 2026 wird ja gewählt! Und das nicht zu knapp! Fünf Landtagswahlen (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) und drei Kommunalwahlen (Bayern, Hessen, Niedersachsen) stehen vor der Tür, da bekommt selbst der durchtriebenste Wahlkämpfer kalte Füße. Plötzlich soll manches nicht mehr so gemeint gewesen sein. Wenigstens vor der Wahl, nach der Wahl sieht die Sache bekanntlich anders aus, dann gilt wieder: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern! Gerade Friedrich Merz kann davon ein garstig Lied singen. Die halten uns Wähler bestimmt für bescheuert. Ob wir es wirklich sind, wird sich allerdings erst an den Wahlabenden zeigen. ----------
[1]
finanztrends, Wie viele Millionäre
gibt es in Deutschland?
[2]
Statistisches Bundesamt, Beschäftigte
des öffentlichen Dienstes nach Geschlecht und der Art des
Dienst- oder Arbeitsverhältnisses
[3]
Oxfam vom 19.01.2026
[4] Statistisches Bundesamt,
Pressemitteilung Nr. 039 vom 3. Februar 2026
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