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17. März 2026, von Michael Schöfer
Nicht unser Krieg!


Es ist töricht, seine Verbündeten ständig vor den Kopf zu stoßen, ihnen sogar mit der militärischen Eroberung von Teilen ihres Staatsgebiets zu drohen. Und ständig zu betonen, wie stark man sei und dass man im Grunde keinen brauche, man komme ganz gut alleine zurecht, ist ebenfalls alles andere als klug. Nun haben die USA wegen der Sperrung der Straße von Hormus ein Problem und stehen - keineswegs überraschend - weit und breit alleine da. "Nicht unser Krieg", sagen die Europäer. Nicht einmal die Australier, die für gewöhnlich zu den treuesten Verbündeten der USA gehören, wollen beim risikoreichen Unterfangen, den Frachtschiffen bei der Durchfahrt durch die Meerenge Geleitschutz zu geben, mitmachen.

Trumps Erwartung ist: Andere sollen die Suppe auslöffeln, die er sich selbst eingebrockt hat. Doch die weigern sich, was nach der Vorgeschichte verständlich ist. Wer obendrein die Ukraine im Stich lässt, Trump hat nach Amtsantritt die Militärhilfe für das Land komplett eingestellt, kann nicht erwarten, dass wir für ihn die Kohlen aus dem Feuer holen. Vom fehlenden Equipment ganz zu schweigen. Schon 2018 schrieb ich: Das Verhalten Trumps führt von "America first" zu "America alone". [1] Genauso ist es jetzt gekommen. Dabei war seine erste Amtszeit im Vergleich zur zweiten geradezu harmlos.

Donald Trump ist mächtig erzürnt und droht mit Konsequenzen für die NATO. Lassen wir die rechtliche Frage, die angesichts von Art. 25 GG nicht unwesentlich ist, einmal vollkommen beiseite. Das eigentliche Problem ist doch die totale Unberechenbarkeit des US-Präsidenten. Er hat die Verbündeten der USA vor dem Irankrieg nicht einmal informiert, geschweige denn konsultiert. Anscheinend hat er auch keinen durchdachten Kriegsplan und kann kein nachvollziehbares Kriegsziel nennen. Jede militärische Beteiligung daran wäre daher ein Vabanquespiel.

Presseberichten zufolge soll Trump weder auf seine militärischen Berater gehört noch die Sperrung der Straße von Hormus einkalkuliert haben. Dabei hatte das jeder auf der Rechnung, der sich auch nur ein bisschen mit der Materie befasste. Die für den Nahen Osten zuständigen Militärstrategen ganz bestimmt. Doch mit einem impulsgesteuerten Dilettanten zusammenzuarbeiten, der gleichwohl die Befehlsgewalt ausübt, ist völlig unzumutbar. US-Generäle können da wenig machen, Befehl ist eben Befehl. Für die Regierungen der Verbündeten gilt dies jedoch nicht, sie müssen vor allem an die Soldaten denken, die dann vor Ort ihren Kopf hinhalten sollen.

Absprachen mit Trump kann man nicht vertrauen. Wenn dem Stümper im Oval Office morgen einfällt, im Iran mit Bodentruppen zu intervenieren und wir uns seiner Meinung nach daran zu beteiligen haben, diskutieren wir die Frage unter veränderten Umständen aufs Neue. Trotzdem mitmachen, weil er der NATO mit Konsequenzen droht? Das ist, wie beim Zoll-Chaos, ein endloses Hin und Her. Das Nein der Bundesregierung ist deshalb in meinen Augen richtig. Das ist nicht unser Krieg!

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