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| Archiv | Impressum 25. März 2026, von Michael Schöfer Aussöhnung ist keine Option mehr Jeder Vernünftige wird wohl dem Urteil zustimmen, dass Donald Trump weder intellektuell noch charakterlich geeignet ist, ein hohes Staatsamt auszuüben. Am wenigsten eins, das mit so viel ökonomischer und militärischer Macht verbunden ist wie das des US-Präsidenten. Trotzdem wurde er 2024 von einer Mehrheit der Amerikaner gewählt, und jetzt müssen wir wohl oder übel mit ihm leben. Eher übel, wenn wir uns ansehen, was er anrichtet. Die Welt hat sich dramatisch verändert, von einer Rückkehr zu "normalen" Verhältnissen (d.h. die, die wir ab 1945 bis zur Jahrtausendwende gewohnt waren) sind wir weiter weg denn je. Vor allem im Nahen Osten haben die militärischen Interventionen der zurückliegenden zwei Jahrzehnte nur noch schlimmeres Chaos verursacht und auf allen Seiten die Radikalen gestärkt. Doch was hat sich dadurch konkret verbessert? Natürlich kann man bei vorhandener Überlegenheit erst einmal alles in Grund und Boden bomben, aber eine dauerhafte Lösung bringt das nicht. Läuft es im Iran so wie im Irak nach 2003, werden sich unsere Sorgen wahrscheinlich noch vergrößern. Und ganz unabhängig von Sympathie oder Antipathie fürs iranische Regime: Es gibt ja oft Präzedenzfälle, die den weiteren Verlauf der Geschichte beeinflussen. Inzwischen spielt das Völkerrecht bloß noch eine Nebenrolle. Wann hat das zu rutschen begonnen? Mit dem Einmarsch der UdSSR in Afghanistan? Mit dem Kosovo-Krieg? Mit dem Irak-Krieg? Welche Folgen hat es, wenn Politiker eines anderen Staates gezielt eliminiert werden? Jetzt mögen manche das mit Blick auf das furchtbare Regime in Teheran noch für opportun halten. Aber was, wenn sich andere daran ein Beispiel nehmen? Was, wenn plötzlich westliche Politiker im Fadenkreuz stehen? In meinen Augen ist weit und breit kein tragfähiges politisches Konzept erkennbar, das die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt. Selbst die US-Regierungen üben da überhaupt keinen Druck mehr aus, sind sogar oft genug Teil des Problems. Und die Regierung von Donald Trump kann man diesbezüglich total vergessen. Ich erinnere mich noch an das Treffen von Menachem Begin mit Anwar el Sadat in Jerusalem - damals eine Sensation, heute völlig undenkbar. Oder können Sie sich vorstellen, dass sich Benjamin Netanjahu mit Modschtaba Chamenei an einen Tisch setzt und ihm die Hand gibt? Dazu ist keiner der beiden bereit, die Engstirnigkeit feiert Triumphe, Feindschaft ist heutzutage für die Ewigkeit gemacht, Aussöhnung ist keine Option mehr. Ich bin daher skeptisch, was die weitere Entwicklung angeht, denn das militärische Vorgehen manövriert uns immer tiefer in eine Sackgasse hinein, an deren Ende alptraumhafte Zustände lauern. |