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| Archiv | Impressum 14. April 2026, von Michael Schöfer Der hat echt ein Rad ab Seit Donald Trump US-Präsident ist, stellt man sich Fragen, auf die man ohne ihn nie gekommen wäre. Zum Beispiel: Kann man den Friedensnobelpreis für die Beendigung eines Krieges verliehen bekommen, den man selbst entfacht hat? Was vor dem 20. Januar 2025 als völlig absurd erschienen wäre, ist nun leider bittere Realität. Jede Wette: Trump wird nach Beendigung des Irankrieges, wann immer das sein mag, erneut auf dieses Thema zurückkommen. Deadline ist der Oktober, wenn der Friedensnobelpreisträger 2026 bekanntgegeben wird. Doch das gehört eher zu den harmlosen Fragen. Mit Papst Leo XIV. hat Donald Trump offenbar eine besonders herzliche Männerfreundschaft geschlossen, denn er hält es anscheinend für notwendig, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche öffentlich in den Senkel zu stellen. Ein hoher Beamter des US-Kriegsministeriums hat obendrein dem vatikanischen Botschafter in den USA angeblich mit dem "Avignon-Papsttum" gedroht. Ein wenig subtiler Hinweis, weil zu Beginn des 14. Jahrhunderts der König von Frankreich mit dem römischen Papst über Kreuz lag. Kurzversion: Philipp IV. ließ Papst Bonifatius VIII. in seiner Sommerresidenz festnehmen, in den darauffolgenden Jahrzehnten (1309 bis 1376) residierten sieben Päpste im südfranzösischen Avignon und standen unter dem Einfluss des französischen Herrschers. Es gab Gegen- und Untergrundpäpste, das volle Intrigenprogramm eben. So irre es klingen mag, aber bei Donald Trump ist keineswegs ausgeschlossen, dass er den Papst nach Maduro-Vorbild durch Spezialkräfte entführen lässt oder, die mildere Variante, bloß einen Gegenpapst ausruft. Die Schweizergarde sollte jedenfalls gewarnt sein. Dass Donald Trump gehörig einen an der Waffel hat, schwant mittlerweile auch seinen bibeltreuen Anhängern, die nahmen ihm nämlich ein KI-generiertes Bild auf Truth Social furchtbar übel: Donald Trump als heilender Jesus - so haben es zumindest viele interpretiert. Und von da bis zum Vorwurf der Blasphemie war es dann nicht mehr weit. "Trump bestritt, dass die Darstellung an Jesus Christus erinnern sollte. Es sollte mich als Arzt darstellen, der Menschen gesund macht', behauptete Trump. Denn er mache Menschen sehr viel gesünder'. Das Bild habe ihn an das Rote Kreuz erinnert." [1] Trump habe "den Beitrag gelöscht, weil er merkte, dass viele seinen Humor nicht verstanden", nahm ihn Vizepräsident JD Vance in Schutz. Ob solche wachsweichen Ausflüchte wirklich helfen, muss sich erst noch zeigen. ![]() Achtung: KI-generiert. Trump als Jesus oder als Arzt? Nun liegt es mir fern, den Papst zu verteidigen oder christlichen Fundamentalisten beizuspringen, aber dass Donald Trump stark verhaltensauffällig ist, dürfte inzwischen jeder bemerkt haben. An und für sich wäre das für den weiteren Gang der Weltgeschichte absolut bedeutungslos, hätte er nicht die politische und militärische Macht eines US-Präsidenten im Rücken. Und gäbe es in seinem engeren Umfeld nicht nur karrieregeile Speichellecker, sondern Menschen mit einem kleinen Rest von Verstand und Verantwortungsbewusstsein, würden sie untereinander längst ernsthaft die Amtsenthebung wegen Amtsunfähigkeit diskutieren: der 25. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Was passiert, wenn Donald Trump - aus welchem Grund auch immer - Atomwaffen einsetzen will? Wird ihm dann irgendjemand in den Arm fallen und den Befehl verweigern? Das sind keineswegs an den Haaren herbeigezogene Fragen, deren Beantwortung kann vielmehr über die Existenz der Menschheit entscheiden. Aber das Schlimme ist: niemand kennt die Antwort. Genau das ist so beängstigend. ----------
[1] tagesschau.de vom 14.04.2026
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