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11. August 2026, von Michael Schöfer
Der Kanzler schweigt, er weilt im Urlaub


Die Hitzeperioden und Dürren in Europa häufen sich. Momentan genießt das Niedrigwasser im Rhein in den Medien erhöhte Aufmerksamkeit, es könnte die Inflation anheizen und Wirtschaftswachstum kosten. Ganz so, als sei das unser Hauptproblem.

Was nur den wenigsten klar ist: Es könnte noch viel, viel schlimmer kommen: Sollte es im Herbst und Winter nicht genug regnen und El Niño, wie von den Meteorologen vorhergesagt, 2027 noch stärker zuschlagen als 2026, werden das Niedrigwasser und dessen Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt unser geringstes Problem sein. Schon jetzt müssen Gemeinden im Schwarzwald Notfallpläne erarbeiten, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Und an die Ernteerträge darf man gar nicht denken. Wird es genug Futtermittel für die Tiere geben, ist die Ernährung der Menschen gesichert? Fragen, die sich Europäer schon lange nicht mehr stellen mussten.

Die gängigste Theorie behauptet, dass die Entwicklung unserer menschlichen Vorfahren durch eine Klimaänderung in Ostafrika angestoßen wurde. Die dichten Wälder verwandelten sich durch die zunehmende Trockenheit allmählich in Savannen, was den aufrechten Gang begünstigte und die Leistungsentfaltung des Gehirns ermöglichte. Ohne die Klimaänderung hätte es demzufolge keinen Homo sapiens gegeben. Das klingt plausibel. Was die meisten allerdings zu ignorieren scheinen: Eine erneute Klimaänderung könnte unsere Spezies auch wieder auslöschen, zumindest die Zivilisation, so wie wir sie kennen, stark beeinträchtigen. Insbesondere, weil die Klimaänderung viel abrupter kommt als damals.

Hat sich dazu eigentlich schon der Verbrenner-Befürworter Friedrich Merz geäußert? Oder die Öl- und Gasministerin Katherina Reiche? Oder der Tempolimit-Gegner Steffen Bilger? Unser Bundeslandwirtschaftsminister, der heißt übrigens Alois Rainer, falls Sie das noch nicht wissen sollten, reagiert lakonisch: "Ich kann's nicht regnen lassen, sonst tät ich's machen." Im Tatkraft unter Beweis stellen ist diese Regierung echt unschlagbar. Bloß hilft Nichtstun leider nicht weiter. Im Gegenteil, Nichtstun ist ein Teil unseres Problems.