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| Impressum 07. Oktober 2026, von Michael Schöfer Nur noch einen Schritt vom Abgrund entfernt Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz zog es ja bislang vor, zu den empörenden Vorgängen im Landtag von Sachsen-Anhalt zu schweigen. Er schickte lieber Thorsten Frei vor die Mikrophone, den neuen Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: "Es ist eine geheime Wahl und da kommt natürlich grundsätzlich jeder infrage." [1] Nun ist Thorsten Frei dafür bekannt, auf alles und jedes eine Antwort parat zu haben, bloß darf man bei ihm halt keinen Wert auf Substanz legen. Er will die Union grundsätzlich gut aussehen lassen - ganz egal, was die Fakten dazu sagen. Doch Thorsten Frei veräppelt uns dieses Mal besonders auffällig, denn es ist viel wahrscheinlicher, dass die vier Stimmen für die AfD von der CDU kamen, anstatt aus den Reihen von SPD, Grünen oder Linken. Alles andere ist ein billiges Ablenkungsmanöver. Und das weiß er vermutlich selbst. Versuchen wir mal logisch zu denken: Die CDU-Fraktion hatte angekündigt, sich bei der Wahl zu enthalten. Obgleich 14 CDU-Abgeordnete anwesend waren, gab es nur fünf Enthaltungen. Mit Ja (für Tobias Rausch) haben 48 Abgeordnete gestimmt, mit Nein (gegen Tobias Rausch) 29 Abgeordnete. [2] Die 14 anwesenden CDU-Abgeordnete haben anscheinend wie folgt abgestimmt: 5 x Nein, 5 x Enthaltung, 4 x Ja Die Rechnung sieht wie folgt aus: 8 SPD + 8 Grüne + 8 Linke + 5 CDU = 29 Nein-StimmenTheoretisch wäre es natürlich denkbar, dass sich vier Abgeordnete von SPD, Grünen oder Linken entschieden haben, mit Ja zu stimmen, UND ZUFÄLLIG genau die gleiche Anzahl von CDU-Abgeordneten mit Nein. Aber wie wahrscheinlich ist das? Sehr unwahrscheinlich! Mathematisch und noch viel mehr politisch. Welcher CDU-Wähler, der die AfD ablehnt, wird künftig noch die Konservativen wählen? Und die, die für eine Zusammenarbeit mit der AfD sind, können gleich zum Original wechseln. Macht faktisch eh keinen Unterschied mehr. Die CDU wird daher auseinanderbrechen und demnächst noch mehr Wahlschlappen erleiden. Und schuld ist vor allem Friedrich Merz. Mit seinen unrealistischen Wahlversprechen, mit dem jähen Abrücken von der Schuldenbremse und der sozial ungerechten Sparpolitik hat er seine Partei genau an diesen Punkt geführt: Nur noch einen Schritt vom Abgrund entfernt. ---------- [1] Süddeutsche vom 07.10.2026 (Paywall) [2] Landtag von Sachsen-Anhalt vom 06.10.2026 |