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10. Oktober 2026, von Michael Schöfer
Panem et circenses


Brot und Spiele. Nun ist das Brot, anders als im Römischen Reich, in den westlichen Industrienationen kein probates Mittel mehr, um das Volk zufrieden zu stellen. Diese Eigenschaft hat in der Neuzeit längst der Benzinpreis übernommen, wir sind eben inzwischen viel anspruchsvoller geworden. Und weil das so ist, hat Imperator Donaldus Trumpius für seine unter dem hohen Ölpreis leidenden Amerikaner beim Diktator des Russischen Reiches Diesel bestellt. Wer seinen Pick-up, so Trumps Kalkül, preisgünstig auftanken kann, wählt vielleicht bei den Midterms wieder die Republikaner. Mein Gott, er muss wirklich verzweifelt sein.

Was hat er nicht alles getan! 5.000 Dollar sollte jeder erwachsene Amerikaner bekommen, wenn Donald Trumps Grand Old Party bei den Wahlen erneut die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses holt. Wählerbestechung ist eigentlich strafbar, aber das hat den Imperator noch nie gestört. Allerdings hat es der Bauunternehmer nicht so mit Zahlen (vielleicht musste er deshalb mehrfach Insolvenz anmelden). Nach offiziellen Angaben des US Census Bureaus waren 2025 knapp 270 Millionen Amerikaner 18 Jahre alt und älter. Woher Trump die horrende Summe von 1,35 Billionen Dollar für seine Wählerbestechung nehmen will, hat er dem geneigten Publikum nicht mitgeteilt. Ich fürchte, seine Ankündigung ist eine Lüge, was bei ihm freilich keine große Überraschung wäre.

Den gleichen Taschenspielertrick versucht er mit den Diesel-Lieferungen aus Russland. Putin soll noch vor den Midterms 300.000 Tonnen liefern, das sind 355 Millionen Liter. Im Oktober 2025 verbrauchten die Amerikaner 609 Millionen Liter. Pro Tag, wohlgemerkt. Putins Diesel reicht also gerade mal für den Bedarf von 14 Stunden, dann ist er aufgebraucht. Diese geringe Menge wird den Dieselpreis kaum beeinflussen. Aber Hauptsache, Trump kann große Wellen schlagen. Womöglich vertraut er darauf, dass zumindest die MAGA-Anhänger nicht nachrechnen. Die USA zahlen dafür aber einen hohen Preis. Da der US-Präsident als Gegenleistung die Sanktionen gegen Russland lockert, kann Putin den Krieg gegen die Ukraine intensivieren, es fließt nämlich wieder mehr Geld in seine Kriegskasse.

Trumps Dilettantismus hält man im Kopf kaum aus: Der Mann, der durch den von ihm entfachten Irankrieg selbst dafür gesorgt hat, dass der Ölpreis explodiert ist, liefert für eine - was den Marktpreis angeht - irrelevante Diesellieferung die mit dem Westen verbündete Ukraine ans Messer. Selenskyj sei schuld an den hohen Energiepreisen, zürnt der US-Präsident und fordert dessen Ablösung. Trump hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Wenn weder die 5.000 Dollar noch der russische Diesel zünden, gibt es noch immer die von Kriegsminister Pete Hegseth angekündigte Liveübertragung einer Hinrichtung. Schließlich heißt der Spruch "Brot und Spiele". Die Liveübertragung ist der Spielepart, so wie im Römischen Reich die Gladiatorenkämpfe. Für Letztere hätte Hegseth übrigens durchaus etwas übrig, denn er steht auf Testosteron und Kriegerethos, hat wohl ständig eine Mischung aus Kirk Douglas und Sylvester Stallone vor seinem geistigen Auge.

Aber eine öffentliche Hinrichtung? Äh… Nun ja, was ist von einem Kriegsminister zu erwarten, der das Jerusalemkreuz auf der Brust eintätowiert hat? Das ist das Zeichen der Kreuzritter, denen barbarische Akte bekanntlich nicht fremd waren. Und auf dem rechten Bizeps trägt er den Spruch "Deus vult" (Gott will es). Hegseth steht ganz in dieser unseligen Tradition christlicher Fanatiker. Öffentliche Hinrichtungen gibt es derzeit nur noch in Afghanistan, dem Iran und Saudi Arabien. Das zeigt, auf welchem zivilisatorischen Niveau sich die USA unter Donald Trump bewegen.

Aber es könnte noch schlimmer kommen, wir leben, wie jeder weiß, im Kapitalismus. Eine live gestreamte Hinrichtung? Da schauen doch bestimmt viele Menschen zu, allein schon aus Neugier. Wird die Trump-Regierung, wie in den USA bei Events üblich, während der Übertragung Werbung einblenden? Mit dem Verkauf von Werbeblöcken kann man doch bestimmt viel Geld verdienen. Vor kurzem wurde, kein Witz, "Trump TV" gegründet, dann bleibt das Geld wenigstens in der Familie. Da kann man die Sesterzen, Verzeihung, Dollar schon förmlich riechen. Die Übertragungsrechte einfach billig an "Trump TV" veräußern, anschließend verkauft der Sender die Slots für die Werbespots teuer an die Wirtschaft. Der Super Bowl lässt grüßen. Kleiner Wermutstropfen: Bei Erschießungen gibt es keine Halbzeitpause.

Makaber? Sicherlich, aber unter diesem Präsidenten ist keine Perversion unmöglich.