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| Impressum 13. Oktober 2026, von Michael Schöfer Ein widerliches Schauspiel "Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden", schreibt Bärbel Bas (SPD) in ihrer Rücktrittserklärung. [1] Seitens der CDU habe man sich über die Abwesenheit der Arbeitsministerin beklagt und empathielos auf die ausbleibenden Gesetzentwürfe hingewiesen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) weist die Vorwürfe allerdings zurück, aus seiner Sicht sei durchaus auf die schwierige persönliche Situation von Bärbel Bas Rücksicht genommen worden, dies habe er von der CDU auch eingefordert. Die SPD gibt der CDU jedoch eine Mitschuld am Ausscheiden der Ministerin. Nach Angaben der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), seien die "Attacken" der CDU auf Bas "unmenschlich und rücksichtslos" gewesen. [2] CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann keilt zurück und beklagt, dass die SPD schließlich in Nordrhein-Westfalen einen Untersuchungsausschuss gegen eine krebskranke Ministerin beantragt hat. [3] Konsternierte politische Beobachter sprechen von einem Kindergarten. Zu Recht. Wären CDU und SPD verheiratet, könnte man problemlos nachweisen, dass die Ehe total zerrüttet ist. Es ist bei einem Rosenkrieg von außen schwer zu beurteilen, wer die Wahrheit sagt oder lügt. Aber es gibt im vorliegenden Fall immerhin ein paar Indizien: Sechs Tage vor (!) dem Rücktritt von Bas schreibt die Süddeutsche: Catarina dos Santos-Wintz, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion, habe nach eigener Aussage Verständnis für die Abwesenheit von Bas gezeigt. Im Widerspruch dazu schreibt das Blatt aber gleich im Anschluss: "Aus Sicht etlicher Sozialdemokraten hat es Bundeskanzler Friedrich Merz zuletzt an dieser Rücksichtnahme allerdings fehlen lassen. Obwohl er über den privaten Notfall informiert gewesen sei, habe er sich in nicht öffentlichen Gesprächen über die Abwesenheit von Bas beschwert und den Eindruck erweckt, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig steuere von Schwerin aus die Geschicke der SPD." [4] Die Betonung liegt auf "in nicht öffentlichen Gesprächen". Ob die Süddeutsche nachgehakt hat, ist nicht überliefert. Knapp eine Woche vor dem Rücktritt müssen jedenfalls schon entsprechende Gerüchte durch Berlin gewabert sein. Was ist eine "Queen of the Koppel"? Keine Ahnung. Noch nie gehört. Ehrlich. Ist offenbar kein Kompliment. Der Focus bezeichnet Bas vier Tage vor (!) dem Rücktritt als "Queen of the Koppel", "Mutter Teresa des deutschen Nanny-Staats" sowie "Wonder Woman aller in Bräsigkeit erstarrten Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände". Vermutlich hielt der Autor das für witzig. Und das zu einem Zeitpunkt, als der Trauerfall auch ihm längst bekannt war. Darauf weist nämlich eine weitere Passage im Artikel hin: "Die wichtigste Person fehlte gestern Abend beim schwarz-roten Koalitionsgipfel: SPD-Co-Chefin Bärbel Bas ist schon seit zwei Wochen nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Von einem 'Trauerfall im engsten Familienkreis' ist die Rede. Das sollte man mit Anstand und Mitgefühl begleiten. Der Union fällt das indes zunehmend schwer." [5] Auch Chefautor Thomas Tuma muss entsprechende Infos aus der Union gehabt haben, sonst würde er ja so etwas kaum schreiben. Es ist ein perfides, aber im Politikbetrieb übliches Verfahren, hintenherum über jemand zu lästern und der Presse darüber etwas zuzustecken. Immer in dem Bewusstsein, dass das auch beim eigentlich Adressaten, in diesem Fall Bärbel Bas, ankommen wird. Öffentlich kann man freilich seine Hände in Unschuld waschen. Nein, das würden wir nie sagen! Das Drama, das die Regierungskoalition zelebriert, dürfte bei den Wählerinnen und Wählern kaum auf Zustimmung stoßen - unabhängig davon, bei wem sie nun konkret die Schuld vermuten. Das Schauspiel kann angesichts des Erstarkens der Feinde der Demokratie bloß als Harakiri des politischen Systems gewertet werden. Es ist völlig unverständlich, warum man innerhalb der Regierungskoalition trotz der Unterschiede in der Sache so brutal miteinander umgeht. Sind die Politiker darauf konditioniert, können sie nicht mehr anders? Innerhalb der Parteien muss etwas gehörig schieflaufen, wenn sich auf dem Weg nach oben hauptsächlich solche Charaktere durchsetzen. Es ist einfach widerlich. ---------- [1] Deutschlandfunk vom 13.10.2026 [2] ZDF vom 12.10.2026 [3] Süddeutsche vom 13.10.2026 (Paywall) [4] Süddeutsche vom 06.10.2026 (Paywall) [5] Focus vom 08.10.2026 |