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| Archiv | Impressum 04. November 2026, von Michael Schöfer Der blaue Tsunami Es sieht gar nicht so schlecht aus: In Ungarn wurde Viktor Orban abgewählt, Aleksandar Vucic hat die Parlamentswahl in Serbien verloren, während in Brasilien Lula da Silva im Amt bleibt. Die Demokratie ist anscheinend noch nicht ganz an die Rechtspopulisten verloren, zeigt vielmehr ihre erstaunliche Fähigkeit, sich selbst zu regenerieren. Jetzt muss bloß noch Raphaël Glucksmann bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich überraschend die klare Favoritin Marine Le Pen besiegen. Hoffnung machen vor allem die Midterms in den USA. Der Republikaner William McKinley (1843-1901), 25. Präsident der Vereinigten Staaten, ist wegen seiner rigiden Zoll-Politik das große Vorbild von Donald Trump. Und so wie die derzeit noch laufenden Auszählungen ausfallen, folgt Trump seinem Vorbild auch in einer anderen Hinsicht - er verliert die Zwischenwahlen haushoch an die Demokraten. 1890 kam es nämlich bei der Wahl zum Repräsentantenhaus zu einem Erdrutschsieg der Demokraten, die 86 Sitze hinzugewannen, während die Republikaner 93 Sitze und damit die Mehrheit im House verloren. [1] Grund für die Niederlage waren die kurz zuvor auf Betreiben von McKinley beschlossenen Zölle, die in der Bevölkerung wegen ihrer preistreibenden Wirkung extrem unbeliebt waren. Donald Trump übertrifft McKinley sogar. Ungewollt, versteht sich. Bei den Midterms 1890 behielten die Republikaner zumindest ihre Mehrheit im Senat, jetzt (07:00 Uhr MEZ) sieht es ganz danach aus, als hätten die Demokraten beide Kongress-Kammern zu ihren Gunsten gedreht: Im Senat haben die Demokraten bereits 53 Sitze sicher, die Republikaner stehen momentan bloß bei 41. Die Demokraten gewannen sieben Senatssitze hinzu. Etwas, worauf selbst die größten Optimisten nicht zu hoffen wagten. Im Repräsentantenhaus kommen die Demokraten aktuell auf 205 Mandate, die Republikaner lediglich auf 124 (Zahlen laut Website der New York Times). Und es sind ja noch nicht einmal alle Ergebnisse ausgezählt. Ein blauer Tsunami überrollt die Vereinigten Staaten (Blau ist die Farbe der Demokratischen Partei). Das wird Donald Trump kaum gefallen, ist aber nicht zu ändern, seine irrwitzige Politik ist krachend gescheitert. Eine historische Niederlage, etwas für die Geschichtsbücher. Bei den Gouverneurswahlen das gleiche Bild: Im stockkonservativen Texas verliert sogar Amtsinhaber Greg Abbott, der republikanischste unter den Republikaner, seinen Job an die Demokratin Gina Hinojosa. Die Ergebnisse sind so eindeutig, dass alle Behauptungen über Wahlfälschungen ins Leere laufen. Wie es nun in Amerika weitergeht, bleibt allerdings abzuwarten. Noch ist Trump im Amt, und er wird weiterhin versuchen, am Kongress vorbeizuregieren. Es kommt jetzt vor allem darauf an, wie klug die Demokraten mit ihrer neu hinzugewonnenen Mehrheit umgehen. Das Spiel ist noch lange nicht am Ende. In einer Demokratie ist es genaugenommen nie am Ende. Donald Trump wie
gewohnt mit einem exklusiven Zugang zur
Wahrheit:
![]() "Ich stand nicht auf
dem Wahlzettel, und wenn ich es gewesen wäre,
hätten wir einen Erdrutschsieg errungen! Vielen
Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser
Angelegenheit. Präsident Donald J. Trump"
[1] Wikipedia, 1890 United States House of Representatives elections |