Home | Archiv | Leserbriefe | Links | Impressum



04. April 2005, von Michael Schöfer
Kazemi durchlitt, was Kameli gedroht hätte


Die kanadisch-iranische Fotografin Zahra Kazemi wurde im Juni 2003 im Iran bestialisch gefoltert und brutal vergewaltigt. Am 10. Juli 2003 erlag sie ihren Verletzungen. Der behandelnde Arzt im Baghiattulah-Militärkrankenhaus, Sharam Azam, der mittlerweile in Kanada Asyl erhalten hat, berichtete jetzt erstmals Details über den damaligen Zustand Kazemis. "Es sei offensichtlich gewesen, daß die Verletzungen der Frau über mehrere Tage zugefügt worden seien. (...) Er nannte einen Schädelbruch, blaue Flecken von der Stirn bis zum Ohr, gebrochene Finger und gebrochene oder fehlende Fingernägel, ein gebrochenes Nasenbein und schwere Verletzungen im Unterleib. Da er als männlicher Militärarzt die Geschlechtsorgane der Frau nicht habe untersuchen dürfen, habe er eine Krankenschwester hinzugezogen. Diese habe ihm von schweren Verletzungen im ganzen Genitalbereich berichtet, die auf eine 'brutale Vergewaltigung' hinwiesen". [1]

Folter im Iran ist beileibe kein Einzelfall. Daran, daß dort systematisch gefoltert wird, gibt es nicht den geringsten Zweifel. Doch im Februar 2005 sollte die Iranerin Zahra Kameli nach einem erfolglosen Asylantrag in den Iran abgeschoben werden. Sie hatte sich von ihrem Ehemann, mit dem sie als 16-Jährige zwangsverheiratet wurde, getrennt und lebt mittlerweile mit einem anderen Partner zusammen. Wegen Ehebruchs drohte ihr deshalb im Iran die Steinigung. Außerdem konvertierte sie vom Islam zum Christentum, was nach Ansicht islamischer Fundamentalisten als Apostasie (Abfall vom Glauben) mit dem Tod bestraft wird. Trotzdem entschieden das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und das Verwaltungsgericht in Braunschweig, die Frau sei im Iran nicht gefährdet. [2]

Zahra Kameli konnte nach heftigen Protesten der Öffentlichkeit und dank der Zivilcourage eines Piloten, der die Beförderung in seinem Flugzeug ablehnte, vor der Abschiebung und damit vor ihrem vermutlich sicheren Tod bewahrt werden. Hoffentlich wird das Schicksal der ermordeten Fotografin Kazemi beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und beim Verwaltungsgericht Braunschweig zur Kenntnis genommen. Dem Fall Kazemi können sie nämlich entnehmen, was Frau Kameli gedroht hätte. Vielleicht revidieren sie dann in Zukunft solche für mich völlig unverständlichen und in meinen Augen menschenverachtenden Entscheidungen.

----------

[1] Frankfurter Rundschau vom 02.04.2005
[2] Frankfurter Rundschau vom 08.02.2005