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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)



27. Mai 2017, von Michael Schöfer
Wir werden hoffentlich auch Donald Trump überleben


Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, behauptet ein Sprichwort. Das gilt natürlich auch in der Politik. Wobei uns die Erfahrung sagt, dass das Mahl den Menschen gelegentlich doch brennend heiß verabreicht wird. Das sind dann die großen Katastrophen, wie etwa der Zweite Weltkrieg. Da hätte das Volk eigentlich vorher wissen müssen, dass der Brei, den die Nazis anrührten, genauso heiß gegessen werden muss. Aber das ist zum Glück nicht die Regel. Unsere Erfahrung sagt nämlich auch, dass sich schlechte und gute Zeiten abwechseln. So standen wir beispielsweise im Kalten Krieg oft nah am atomaren Abgrund, das Problem löste sich dann aber Ende der achtziger Jahre überraschend schnell in Wohlgefallen auf. Der Kommunismus kollabierte, die Sowjetunion existierte plötzlich nur noch in den Geschichtsbüchern. Jetzt haben ebenfalls viele das Gefühl, die Welt gerate aus den Fugen, was genau genommen nicht völlig falsch ist. Gleichwohl kann das Ganze in 20 Jahren anders aussehen. Besser. Wer weiß…

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23. Mai 2017, von Michael Schöfer
Man muss das Ganze sehen

Reinhold von Eben-Worlée und Lutz Goebel vom Verband der Familienunternehmer beten in der Süddeutschen das übliche neoliberale Mantra herunter. "Statt beispielsweise über Steuererhöhungen und noch mehr Umverteilung zu diskutieren, sollten die Politiker im anstehenden Wahlkampf die Frage thematisieren, wie die Bürger und Betriebe in unserem Land entlastet werden können", schreiben sie. Der deutsche Durchschnittsverdiener, unverheiratet und kinderlos, müsse 49,4 Prozent, also die Hälfte seines Einkommens, an den Staat abliefern. Noch gehe es uns prächtig und die meisten seien mit ihrem persönlichen Leben zufrieden, aber… Da kann man das Gähnen kaum noch unterdrücken, solche Äußerungen sind mittlerweile, weil ebenso vorhersehbar wie falsch, ungeheuer ermüdend.

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20. Mai 2017, von Michael Schöfer
Leiden ohne Hoffnung


Die Journalisten haben längst den Überblick verloren: Das aktuelle Sparpaket der Regierung Tsipras beinhaltet die 13. Rentenkürzung, meint die Schweizer Zeitung "Südostschweiz". Dabei war Spiegel-Online bereits Anfang 2016 beim damaligen Sparpaket nicht mehr ganz sicher. "Es wäre die 12. oder 13. Rentenkürzung seit Beginn der Krise", schrieb das Nachrichtenmagazin seinerzeit. Angesichts der Häufigkeit der Sparorgien kann man beim Zählen schon einmal durcheinander kommen. Jetzt findet "die 14. Rentenkürzung seit dem Beginn der Krise" statt, glaubt der Münchner Merkur zu wissen. Während der Mannheimer Morgen von der 15. Rentenkürzung schreibt. Spiegel-Online behauptet neuerdings sogar, dies sei mittlerweile die "23. Runde von Rentenkürzungen in den vergangenen acht Jahren". Wie dem auch sei, jedenfalls sind die Einschnitte eine Tragödie - vor allem für die darbende Bevölkerung.

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19. Mai 2017, von Michael Schöfer
Hütet euch vor solchen Helden


Schwedens Justiz hat die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange fallen gelassen. Aber nicht, weil sich seine Unschuld herausgestellt hätte, nein, weil sie keine Möglichkeit mehr sieht, dass Assange "in naher Zukunft" ausgeliefert werden könnte. Der Wikileaks-Gründer hat sich nämlich dem Verfahren, das seine Schuld klären sollte, vor fünf Jahren durch Flucht in die Londoner Botschaft Ecuadors entzogen. Seitdem harrt er dort aus. Notgedrungen, denn jeder Schritt über die Türschwelle würde unweigerlich zu seiner Verhaftung führen.

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16. Mai 2017, von Michael Schöfer
Darf ich Ihnen noch ein Törtchen reichen, Frau von und zu…?


In Baden-Württemberg haben die Sozialdemokraten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) scharf kritisiert, weil dieser rund 70 Vertreter aus Adelsfamilien zu einem Abendessen eingeladen hat, um ihnen für den Erhalt von Liegenschaften zu danken. "Die Leute müssen sehr hohe Aufwendungen machen, um die denkmalgeschützten Gebäude in Schuss halten zu können. Immer, wenn ich daran (an den Gebäuden) vorbeifahre, denke ich: Gott sei Dank gehört mir das nicht", zitiert der SWR den Regierungschef. Es wäre besser, wenn er sich "mit demselben Herzblut um die Belange und Interessen der hart arbeitenden Beschäftigten" kümmern würde, empfahl der ehemalige Kultusminister Andreas Stoch. Die CDU hingegen hat an Kretschmanns Einladung nichts auszusetzen: "Der Adel hat für unser Land eine große Bedeutung. Dies zeigt sich besonders im Bereich des Kulturgutes, wie beispielsweise im Erhalt von Schlössern, der Pflege von Wäldern und der Landwirtschaft", meint CDU-Generalsekretär Manuel Hagel. Der Adel, eine große Bedeutung… Aha.

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12. Mai 2017, von Michael Schöfer
Der versüßte Alptraum


Seit der Umstellung auf DVB-T2 HD empfange ich auch Privatsender. Vorübergehend, denn bei "freenet TV" anmelden, um sie auch nach der bald einsetzenden Verschlüsselung empfangen zu können, werde ich mich nicht. Das sind mir die 69 Euro pro Jahr einfach nicht wert. Und ich werde auch nichts vermissen - außer vielleicht die Werbung. Ja, genau, die Werbung! Kurios, nicht wahr? Normalerweise sehe ich mir ja bei den Öffentlich-Rechtlichen keine Werbung an, aber wenn man sich bei den Privaten einen Spielfilm ansieht, kann man der kaum entgehen. Dank dem Privatfernsehen konnte ich endlich meinen Wissensstand auf den neuesten Stand bringen. Jetzt weiß ich wenigstens, dass Amazon-Chef Jeff Bezos George Orwells Dystopie "1984" nie gelesen hat. Und falls doch, dann jedenfalls mit Genuss und als Anregung.

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08. Mai 2017, von Michael Schöfer
Kein Glück im Glückstein-Quartier


Die Misere auf dem Wohnungsmarkt wird in Mannheim an den zum Verkauf stehenden Wohnungen im sogenannten "Glückstein-Quartier" deutlich. Das Glückstein-Quartier ist ein 32 ha großes Areal direkt am Hauptbahnhof, in dem nach und nach neue Gewerbeeinheiten, Büros und Wohnungen entstehen. Städtebaulich gewiss von Reiz, jedoch nichts für den Geldbeutel von Durchschnittsverdienern, denn gebaut werden wieder einmal - wie so oft - "hochwertige" Eigentumswohnungen.

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06. Mai 2017, von Michael Schöfer
Auf sündhaft teure Prestigeprojekte sollte man verzichten


Das Weiße Haus liebt Prestigeprojekte - besonders seit Donald Trump dort Hausherr ist. Deshalb hat er vor kurzem die NASA angewiesen, schon 2018 zwei Astronauten den Mond umrunden zu lassen. Populisten sind ungeduldige Menschen. Unser Trabant hat freilich bereits vorher eine Renaissance erlebt - wenigstens was die Planungen angeht. Daran sind sogar Privatunternehmen beteiligt, die den Mond touristisch erschließen wollen (SpaceX will den Mond mit Touristen umrunden). Mittelfristig wird zudem eine Mondlandung ins Auge gefasst. Doch der Mond ist gar nicht das ersehnte Ziel, sondern lediglich eine Etappe auf dem Weg zum Mars. Gleichwohl muss die Frage erlaubt sein: Was bringt die bemannte Raumfahrt wissenschaftlich? Das ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar. Der Mond ist im Grunde uninteressant, andernfalls hätten die Mondlandungen nicht Anfang der siebziger Jahre aufgehört, sondern wären auch danach noch weitergegangen.

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03. Mai 2017, von Michael Schöfer
Die CDU bleibt eine Partei der Haus- und Grundbesitzer


Mannheim gehört, was die Mietpreise angeht, noch nicht zu den hochpreisigen Regionen in Deutschland. Jedenfalls nicht im Vergleich zu München oder Frankfurt am Main. Dennoch sind Mietwohnungen für Gering- und Normalverdiener auch hier zunehmend unerschwinglich. Insbesondere das Angebot von Neubauwohnungen richtet sich offenkundig fast ausschließlich an die Besserverdienenden, wie eine nichtrepräsentative Auswahl aus einem Immobilien-Portal belegt:

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02. Mai 2017, von Michael Schöfer
Wen würde ich in Frankreich wählen?


Welcher der verbliebenen französischen Präsidentschaftskandidaten will die öffentlichen Ausgaben in den nächsten fünf Jahren um 60 Mrd. Euro reduzieren? Emmanuel Macron? Marine Le Pen? Antwort: Beide. Aber davon abgesehen unterscheiden sich ihre Programme erheblich.

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01. Mai 2017, von Michael Schöfer
Die EU bellt, aber sie beißt nicht


Es sollte Entschlossenheit signalisieren, und das ist der Europäischen Union diesmal durchaus gelungen: Innerhalb von rekordverdächtigen 15 Minuten haben sich die 27 Staats- und Regierungschefs einstimmig auf die die Leitlinien für die Brexit-Verhandlungen geeinigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte harte Verhandlungen mit London an: "Ein Drittstaat, und das wird Großbritannien sein, kann und wird nicht über die gleichen Rechte verfügen oder womöglich sogar bessergestellt werden können als ein Mitglied der Europäischen Union."

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28. April 2017, von Michael Schöfer
Der Rummel um Trump verdeckt den realen Kern des Problems


Deutsche Ökonomen sind eigenartig, so werden die Auswirkungen der deutschen Handelsbilanzüberschüsse konsequent ignoriert oder verharmlost. Das Problem liege bloß an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit unserer Handelspartner, verkünden sie lapidar. Allerdings würden sie sich bestimmt bitter beklagen, wenn unsere Handelspartner den Rat beherzigen und tatsächlich wettbewerbsfähiger würden, denn dann müssten wiederum die Überschüsse der Deutschen sinken. Wenn ein Staat Überschüsse erwirtschaftet, muss ein anderer logischerweise Defizite aufweisen. Dass alle Überschüsse erwirtschaften, ist so unmöglich wie ein Perpetuum mobile, die globale Handelsbilanz ist bekanntlich immer genau ausgeglichen. Solange sich in einzelnen Ländern Überschussperioden mit Defizitperioden abwechseln, im Rennen um die bessere Wettbewerbsfähigkeit also mal der eine und ein andermal der andere vorne liegt, ist das absolut unproblematisch. Brisant wird das Ganze jedoch, wenn Staaten wie Deutschland chronische Überschüsse und Staaten wie die USA chronische Defizite erzielen. Nur die Dosis macht das Gift. (Paracelsus)

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25. April 2017, von Michael Schöfer
Picobello in Schuss oder nur noch Schrott?


"Die verblödete Republik", ist mir da spontan eingefallen. Kein Wunder, wenn immer mehr Menschen Fake-News auf den Leim gehen oder Verschwörungstheorien Glauben schenken. Was ist passiert? Kürzlich habe ich gelesen, dass Deutschlands erfolgreichste YouTuberin bei Madame Tussauds Berlin verewigt wird. Und da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich mir mal angesehen, womit man heutzutage bei YouTube so viel Erfolg haben kann. In einem Video "prankt" (Pranks = Possen, Streiche) die YouTuberin ihren Freund, der frühmorgens schlafend im Bett liegt, indem sie ihm künstliche Fingernägel aufklebt, die er dann nicht mehr abbekommt. In einem anderen spielt sie ihm heulend und verzweifelt vor, sie sei schwanger. Witz komm raus, du bis umzingelt! In meinen Augen ein ebenso sinnfreies wie infantiles Gehabe. Dennoch hat die 24-Jährige auf ihrem YouTube-Kanal mehr als 4,4 Mio. Abonnenten, insgesamt kommt sie bislang auf stattliche 1,28 Mrd. Aufrufe. Unglaublich! Richtig geschockt hat mich allerdings, als ich anderntags in der Süddeutschen las, dass die YouTuberin damit Schätzungen zufolge ein Einkommen von 110.000 Euro erzielt. Pro Monat, wohlgemerkt. Sie hat sogar ihr Studium abgebrochen, um sich ganz auf YouTube konzentrieren zu können. Ich war baff.

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