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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf,
den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)
 
"Glaube denen, die die Wahrheit suchen,
und zweifle an denen, die sie gefunden haben."
(André Gide, 1869-1951, französischer Schriftsteller)
 
"Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht,
und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind."
(Kohelet)



08. Juli 2022, von Michael Schöfer
Kann Putin siegen?


Was Autokraten wie Wladimir Putin wohl nie verstehen werden: Der Rücktritt des britischen Premierministers Boris Johnson mag chaotisch erscheinen, doch so etwas gehört in einer Demokratie eben dazu. Regierungschefs werden entweder durch die Wählerinnen und Wähler an der Wahlurne oder innerhalb der Legislaturperiode durch die Mehrheit der eigenen Parteigänger abgelöst. Hier wirken also lediglich die Selbstreinigungskräfte der Demokratie. Wenn jemand sein Land nach vorherrschender Ansicht in die falsche Richtung führt, wird dieses Manko durch einen friedlichen Wechsel der Macht korrigiert.




07. Juli 2022, von Michael Schöfer
Oh, immer diese Schaumschläger!


Kein Zweifel, der britische Premierminister Boris Johnson ist ein notorischer Lügner und wird deshalb auch in den eigenen Reihen immer härter kritisiert. Die Tragik - nicht nur der britischen - Politik ist freilich, dass die Alternativen oft nicht besser sind. Nehmen wir beispielsweise den gerade zurückgetretenen Schatzkanzler Rishi Sunak, der sich schon früh als potenzieller Nachfolger positionierte. Er sei ein "Anti-Populist", charakterisierte ihn "Die Zeit" vor zwei Jahren. "Sunak tritt staatsmännisch auf, ganz das Gegenteil von Johnson: ruhig und besonnen, seine Reden klar strukturiert, präzise und brillant vorgetragen, nie populistisch, immer sachlich, und dies alles mit großer Autorität."




17. Juni 2022, von Michael Schöfer
Dieser Bundeskanzler ist eine herbe Enttäuschung


Unser Bundeskanzler ist eine herbe Enttäuschung, und dieses Verdikt gründet sich keineswegs bloß auf Olaf Scholz' äußerst zurückhaltende Kommunikation. Es ist vor allem sein zaghaftes Handeln, das politische Beobachter schier zur Verzweiflung treibt. Dachten wir zunächst irrtümlich, er wäre mit seiner Zeitenwende-Rede vom 27. Februar 2022 in die Fußstapfen Winston Churchills getreten, war es damit schnell wieder vorbei. Bei seinem längst überfälligen Besuch in Kiew hatte er zwar die Unterstützung des ukrainischen EU-Beitrittsbegehrens im Gepäck, doch das sind letztlich nur Worte, die die Ukrainer bestenfalls motivieren, aber auf dem Schlachtfeld keinerlei Wirkung zeigen. Olaf Scholz brachte auch in seiner mittlerweile berühmten Aktentasche keine schweren Waffen mit. Wolodymyr Selenskyj dürfte insgeheim enttäuscht gewesen sein, ließ es sich aber nicht anmerken (im Gegensatz zu Andrij Melnyk kennt er die Regeln der Diplomatie).




24. Mai 2022, von Michael Schöfer
Karlspreis vs. Außenhandel


Man muss froh sein, dass es so mutige Menschen gibt wie Swetlana Tichanowskaja, die sich mit bewundernswerter Kraft für Demokratie und Menschenrechte engagieren. Ohne sie sähe die Welt viel schlimmer aus. Als Deutscher denkt man, so etwas müssten wir doch unterstützen, schließlich kämpfen Menschen wie Tichanowskaja für unsere Werte. Tut Deutschland bestimmt auch.




21. Mai 2022, von Michael Schöfer
Warum brauchen wir immer so lang, um zu reagieren?


Der Homo sapiens ist bekanntlich oft weniger sapiens (weise), als man sich wünschen sollte. Das haben schon viele bedauert. "Neue Ideen werden erst belächelt, dann erbittert bekämpft, und wenn sie sich durchgesetzt haben, waren alle schon immer dafür", hat dazu etwa der Philosoph Arthur Schopenhauer gesagt. In abgewandelter Form finden wir diese bittere Erkenntnis auch bei Mark Twain: "Jemand mit einer neuen Idee gilt so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat." Anders ausgedrückt: Ziemlich dumm, dieser Homo sapiens.