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17. Dezember 2005, von Michael Schöfer
Seehofer will Genfood fördern

Ernährungs-, Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) will den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen vorantreiben. Der überraschte Konsument fragt sich, wozu eigentlich? Nach wie vor werden gentechnisch veränderte Lebensmittel von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Im Verzehr von Genfood sehen die Verbraucher keinen Vorteil gegenüber herkömmlich produzierten Lebensmitteln. Im Gegenteil, die meisten befürchten unabsehbare Risiken für Natur und Gesundheit. Und das vermutlich zu Recht.

Obendrein will Seehofer das Gentechnikgesetz ändern, weil den Bauern seiner Meinung nach der Anbau gentechnisch veränderter Nahrungsmittel durch strikte Haftungsregeln unmöglich gemacht werde. Bislang haftet der nämlich Verursacher (Gesetz zur Regelung der Gentechnik, § 32f). Wer künftig für die Risiken des Anbaus von Genfood haften soll, verrät er allerdings nicht. Doch wenn die Bauern aus der Haftung herausgenommen werden, dürfte in Zukunft für die Risiken der Gentechnik wohl die Allgemeinheit (sprich: der Steuerzahler) geradestehen müssen. Der "Verbraucherschutzminister" macht sich damit eindeutig zum Anwalt der Bauernlobby und der Lebensmittelindustrie, die berechtigten Interessen der Verbraucher werden von ihm hingegen ignoriert.

Natürlich spielen Bio-Produkte mit einem Anteil von 2,8 Prozent am Gesamt-Lebensmittelmarkt eine nach wie vor fast zu vernachlässigende Rolle. Doch müssen Naturkostläden, Bio-Supermärkte sowie Hersteller von ökologischen Lebensmitteln mittlerweile verstärkt auf ausländische Ware zurückgreifen, weil die heimische Landwirtschaft den wachsenden Bedarf nicht mehr befriedigen kann. [1] Entgegen diesem Trend auf gentechnisch veränderte Lebensmittel zu setzen, ist deshalb genau das falsche Signal. Wir müßten die Landwirte vielmehr dazu ermutigen, auf Bio-Produkte umzusteigen. Außerdem sollten die Produktionsbedingungen der herkömmlichen Landwirtschaft (Stichwort: Gammelfleisch) auf den Prüfstand. Für gentechnisch veränderte Lebensmittel gibt es überhaupt keinen Bedarf. Man fragt sich unwillkürlich, warum Seehofer den Verbrauchern etwas aufzwingt, was sie partout nicht haben wollen?

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[1] Frankfurter Rundschau vom 13.12.2005