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30. April 2006, von Michael Schöfer
Alternativen zur herkömmlichen Wirtschaftspolitik


Wirtschaftspolitik ist für viele ein komplexes, trockenes und damit relativ uninteressantes Thema. Dennoch glauben viele mitreden zu können, obgleich sie sich selten mit Wirtschaftspolitik befassen. Das kulminiert dann in erschreckend schlichten Urteilen wie "Die Löhne sind zu hoch", "Wir arbeiten zuwenig" oder "Die Gewerkschaften haben zuviel Macht". Genau besehen stimmt das nämlich nicht, oft ist sogar das exakte Gegenteil richtig. Die Fakten belegen es.

Die meisten Ökonomen teilen solche einfältigen Thesen, weil in der Wirtschaftswissenschaft - zumindest in Deutschland - die neoliberale Denkrichtung unbestritten tonangebend ist. Es sind bedauerlicherweise nur einzelne Stimmen, etwa die von Peter Bofinger (Wir sind besser, als wir glauben) oder Gustav Horn vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), die dem neoliberalen Mainstream hartnäckig Widerstand leisten.

Zur seltenen Spezies derer, die gegen den Strom schwimmen, gehört schon seit langem die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Memorandum-Gruppe). Sie legte erstmals 1975 ein Gutachten vor, das die vorherrschende Richtung der Wirtschaftspolitik aufs Korn nahm und Alternativen aufzeigte. Auch in diesem Jahr wurde von der Memorandum-Gruppe ein Wirtschaftsgutachten vorgelegt, dessen 16-seitige Kurzfassung kostenlos zum Download bereitsteht.

Selbstverständlich wage ich kaum zu hoffen, daß dieses Memorandum zahlreiche Leser finden wird. Doch breitere Aufmerksamkeit ist es durchaus wert, denn darin wird mit vielen neoliberalen Glaubenssätzen aufgeräumt. Außerdem benennt es m.E. die eigentlichen Ursachen der Wirtschaftskrise. Fände das Memorandum weite Verbreitung, könnte man jedenfalls die Menschen nicht mehr so leicht mit allzu simplen Rezepten abspeisen.