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22. Januar 2007, von Michael Schöfer
Kampf um das Erbe Stoibers


Wenn zwei sich einigen, bleibt meist ein Dritter auf der Strecke. Kaum hatte Edmund Stoiber seinen unfreiwilligen Rücktritt angekündigt, war sein Erbe auch schon verteilt. Günther Beckstein soll neuer bayerischer Ministerpräsident werden und Erwin Huber Nachfolger im Amt des CSU-Parteivorsitzenden. Schön ausgedacht hatten sich das die beiden. Der beim Parteiestablishment ungeliebte Dritte, Horst Seehofer, sollte sich mit einem "herausgehobenen" stellvertretenden Parteivorsitz abfinden. Dreist forderten sie Seehofer zum Verzicht auf den Parteivorsitz auf. Doch das Kungel-Duo hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der bei der CSU-Basis beliebte Seehofer will nämlich partout Parteivorsitzender werden und lässt es offenbar auf dem Parteitag auf eine Kampfabstimmung ankommen. Pikant wird das Ganze, weil die Fürther Landrätin Gabriele Pauli, die maßgeblich zum Sturz Stoibers beigetragen hat, eine Kandidatur als stellvertretende Parteivorsitzende erwägt. "Ich denke ernsthaft darüber nach, ob ich für einen der vier Stellvertreterposten kandidiere", sagte sie dem Magazin Focus. Der Parteitag im September verspricht also der interessanteste zu werden, den es in der CSU je gab. Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht, denn womöglich einigt man sich wider Erwarten doch recht schnell auf eine verbindliche Ämterverteilung. Eine Hängepartie oder gar großen Streit, letzteres unter Umständen über den Parteitag im Herbst hinaus, kann sich die CSU eigentlich gar nicht leisten. Im September 2008 wird in Bayern neu gewählt. Und bis dahin gilt es, die Reihen zu schließen. Werden wir also bald mit einem Gentlemen-Agreement konfrontiert? Eventuell sogar inklusive Gruppenbild mit Dame, pardon, "schöner Landrätin"? Immerhin, ein bisschen Leben in der Bude würde der CSU gut tun. Entscheidungen, die oben getroffen werden, unten bloß bekanntgeben, ist auf Dauer extrem langweilig. Ob das die CSU-Basis genauso sieht?