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03. Januar 2007, von Michael Schöfer
Saddams würdeloser Tod


Iraks früherer Diktator Saddam Hussein wurde am 30. Dezember 2006 gehenkt. Nun werden derzeit insbesondere die würdelosen Umstände seiner Hinrichtung kritisiert (kann man jemanden überhaupt würdevoll hängen?). Wie auf einem vermutlich per Fotohandy aufgenommenen Video, das im Internet kursiert, zu sehen und zu hören ist, haben die Henker Saddam beschimpft und ihm gesagt, er möge zur Hölle fahren. Als Saddam mit der Schlinge um den Hals sein letztes Gebet sprach, riefen sie "Muktada, Muktada" und meinten damit offenbar den radikalen Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr.

Die Blutspur, die Hussein hinterließ, ist lang und breit. Neben zwei Angriffskriegen gegen den Iran (1980-1988) und Kuwait (1991) sind ihm schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorzuwerfen. Der Diktator ließ bestialisch foltern und unbarmherzig töten. Die Anzahl seiner Opfer kann nur geschätzt werden, in einer minutiösen Aufstellung beziffert sie die "Gesellschaft für bedrohte Völker" auf insgesamt rund zwei Millionen. [1]

Nur wenige Despoten waren brutaler und blutrünstiger. Dennoch haben natürlich auch Verbrecher vom Schlage Saddams ein Anrecht auf einen fairen Prozess. Und in meinen Augen hat kein Staat das Recht, einem Menschen dessen Recht auf Leben abzusprechen - unabhängig davon was dieser getan haben mag. Denn der Staat darf nicht selbst praktizieren, was er anderen als Verbrechen anlastet (zu töten). Auge um Auge, Zahn um Zahn kann nicht die Maxime des Rechtsstaats sein, er sollte vielmehr das gewähren, was die Verbrecher ihren Opfern vorenthielten. Deshalb wäre es besser gewesen, man hätte Saddam Hussein zu lebenslanger Haft verurteilt und nicht hingerichtet.

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[1] Gesellschaft für bedrohte Völker