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17. März 2007, von Michael Schöfer
Wenn sie mich foltern würden...


...bekämen sie von mir jedes gewünschte Geständnis: Im Internet subversive Artikel veröffentlicht? Ja, selbst wenn ich für alle mir zugeschriebenen Artikel jeden Tag 36 Stunden lang hätte arbeiten müssen. Am 13.11.2006 in Wladiwostok eine Tüte Gummibärchen geklaut? Natürlich, auch wenn ich damals nachweislich auf der anderen Seite des Globus Urlaub gemacht habe. Meine Freundin betrogen? Klar doch, mit 2.000 Frauen gleichzeitig. - lechz - Geschlechtlichen Umgang mit dem Teufel gepflegt? Igitt, aber wenn sie unbedingt darauf bestehen, no problem. Was sind Geständnisse unter Folter wert? Nichts, wie die Geschichte lehrt. Wir wissen das, schließlich haben wir mit der Folter jahrtausendelang Erfahrung gesammelt. Schon bei den Römern ging's bei Verhören ziemlich hart zu Sache.

Chalid Scheikh Mohammed soll also gestanden haben. Und bei ihm kommt einiges zusammen. Mohammed ist bestimmt kein harmloses Früchtchen. Ganz im Gegenteil. Aber: "Es gab und gibt Meldungen, dass Scheich Mohammed nach seiner Festnahme nicht nur über Jahre in Geheimgefängnissen gefangen gehalten und gefoltert, sondern auch in sehr nachdrücklicher Weise gefoltert wurde. Zum Teil so, dass er nicht mehr gehen konnte und die Orientierung völlig verloren hatte", sagte Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen) der Süddeutschen Zeitung am 14.03.2007. Unter anderen habe man bei ihm während der Verhöre das "water boarding" angewendet: "Sein Kopf wurde so lange unter Wasser gehalten, bis er glaubte, ertrinken zu müssen." [1]

Jetzt können ihn die USA anklagen. Oder auch nicht. Ganz, wie es ihnen beliebt. Lebenslänglich einsperren ohne Aussicht auf einen fairen Prozess ist am wahrscheinlichsten, aber vielleicht richten sie ihn sogar hin. Es geht mir gar nicht darum, Chalid Scheikh Mohammed zu verteidigen. Es geht mir vielmehr darum, die Methoden anzuprangern, wie man ihn behandelt. Die Menschenrechte gelten nämlich auch für ihn. Das ist zumindest mein Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat. Deshalb ist das umfangreiche Geständnis äußerst peinlich. Nicht für Mohammed, sondern für die USA. Abermals haben sie der Weltöffentlichkeit das hässliche Gesicht Amerikas präsentiert. Naiv, wie sie sind, wollten sie Chalid Scheikh Mohammed vorführen. Doch vorgeführt haben sie sich nur selbst. Und was am schlimmsten ist, sie sind nicht einmal in der Lage, das zu erkennen.

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[1] Berliner Zeitung vom 16.03.2007