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01. März 2007, von Michael Schöfer
Uran in Privatgarten aufgetaucht


Erinnern Sie sich noch an den "Plutonium-Dieb"? Im Oktober 2000 stahl ein 47-jähriger Reinigungsarbeiter mehrere radioaktiv verseuchte Wischtücher sowie ein Röhrchen mit  plutoniumhaltigem Abfall aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) und versteckte das Material in der Wohnung seiner Freundin. Die Wohnung, er selbst und drei PKW wurden dabei verstrahlt, seine Freundin und deren Tochter ebenfalls. Für die angeblich sichersten Atomanlagen der Welt war das ein großer Schock, doch offenbar kein heilsamer. Denn jetzt sind in einem Privatgarten im niedersächsischen Lauenförde 14 angereicherte Uran-Pellets gefunden worden, mit denen normalerweise die Brennstäbe in unseren Kernkraftwerken bestückt sind. Das Mysteriöse dabei: Der Besitzer des Gartens hatte 1991 erstmals behauptet, "in einem nahe gelegenen Waldstück sei radioaktives Material verbuddelt." [1] Gefunden wurde damals freilich nichts. Woher kommen die Pellets? Das ist die entscheidende Frage. Sollten sie tatsächlich aus einem deutschen Kernkraftwerk stammen, hätte sich die hiesige Atomindustrie, die sonst stets auf ihre hohen Sicherheitsstandards hinweist, abermals bis auf die Knochen blamiert. Noch darf man keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber die Verantwortlichen bei den Betreibern werden in den kommenden Nächten vermutlich schlecht schlafen.

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[1] Spiegel-Online vom 01.03.2007