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17. April 2007, von Michael Schöfer
Lupenreiner Demokrat?

In Moskau und Sankt Petersburg hat die Polizei oppositionelle Demonstranten und ausländische Journalisten brutal niedergeknüppelt. Das ist nicht neu, in Russland fließt in der Politik ohnehin viel Blut. Putins schärfste Kritiker werden manchmal sogar Opfer eines Mordkommandos, wie es etwa der mutigen Journalistin Anna Politkowskaja geschah, die am 07.10.2006 in ihrem Wohnhaus erschossen wurde. Wenig später hat es dann den russischen Ex-Agenten Alexander Litvinenko getroffen, den man in London unter bislang noch nicht detailliert aufgeklärten Umständen mit radioaktivem Polonium ermordete. John le Carré hätte es sich kaum besser ausdenken können. Die Vermutung, hinter den Attentaten stecke der Präsident höchstselbst, ist nach wie vor unbewiesen, doch sind die Verhältnisse in Russland zweifellos alles anderes als demokratisch.

Ungeachtet dessen steht zumindest einer fest zu Wladimir Putin: Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Er sei sicher, dass Putin Russland "zu einer ordentlichen Demokratie machen will und machen wird", meinte Schröder im November 2004. Damals bezeichnete er seinen Männerfreund überdies als "lupenreinen Demokraten". [1] Er sehe keinen Grund, seine früher gemachte Charakterisierung Putins als einen "lupenreinen Demokraten" zurückzunehmen, bekundete Schröder zwei Jahre später. [2] Diese Äußerung fiel wohlgemerkt nach den Morden an Politkowskaja und Litvinenko. Vermutlich werden auch die brutalen Polizeieinsätze Schröder nicht zum Umdenken veranlassen. Ob das mit seinem äußerst lukrativen Job als Aufsichtsratsvorsitzender des Ostseepipeline-Konsortiums zu tun hat? 250.000 Euro soll er dort pro Jahr kassieren. [3] "Pecunia non olet", wussten bereits die Römer. Geld stinkt nicht.

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[1] Hamburger Abendblatt vom 23.11.2004
[2] Focus vom 11.12.2006
[3] Stern vom 30.03.2006