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08. Juni 2007, von Michael Schöfer
Lasst mich auch endlich Taten sehn


"Die führenden Industrienationen (G8) streben an, die globalen CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens die Hälfte zu reduzieren", schreibt die Bundesregierung auf ihrer Homepage. "Die Einzelheiten, wie die globalen Reduktionsziele erreicht werden sollen, können die Umweltminister des UN-Klimarahmenabkommens jetzt im Dezember in Bali verhandeln. Auf der dortigen Weltklimakonferenz soll eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll vereinbart werden, das 2012 ausläuft." [1] Die Frankfurter Rundschau erläutert: "Der in Heiligendamm ausgehandelte Text nimmt unter anderem positiv Bezug auf die Ziele der EU-Länder, Japans und Kanadas, wonach bis zum Jahr 2050 der Ausstoß an Kohlendioxid "mindestens" um die Hälfte reduziert werden soll. Dieses Ziel sei "ernsthaft in Betracht zu ziehen". [2] Das klingt nach unverbindlicher Absichtserklärung. Und in der Tat, Konkretes ist beim G8-Gipfel bislang - trotz gegenteiliger Jubelmeldungen - nicht herausgekommen. Ob sich das Klima allerdings mit bloßen "Absichtserklärungen" zufrieden gibt, ist fraglich.

Es sei daran erinnert, dass auch frühere "Absichtserklärungen" nie verwirklicht wurden. Beispiel: "Zum Abschluss ihres Gipfeltreffens im schottischen Gleneagles haben die G8-Staaten ein Milliarden-Paket für die Entwicklungsländer beschlossen. Die Entwicklungshilfe soll bis zum Jahr 2010 um 50 Milliarden Dollar (rund 42 Milliarden Euro) aufgestockt werden, wie der britische Premierminister Tony Blair im schottischen Gleneagles ankündigte. (...) Die Hilfen speziell für Afrika sollen bis zum Jahr 2010 um dann jährlich 25 Milliarden Dollar höher liegen - und damit im Vergleich zu 2004 verdoppelt werden." [3] Die Einlösung des Versprechens steht indes noch aus. Laut Oxfam ist "im Jahr 2006 (...) die Entwicklungshilfe (...) zum ersten Mal seit 1997 sowohl real als auch prozentual gesunken, wofür zum großen Teil die G8 verantwortlich sind (USA minus 20%, Italien minus 30%, Japan minus 9,6%, Kanada minus 9,2%)." [4] Auch die Ziele des Millenniumsgipfels von New York, auf dem sich im Jahr 2000 189 Staaten feierlich verpflichteten, "bis 2015 den Anteil der Menschen an der Weltbevölkerung, die mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen müssen, gegenüber dem Wert von 1990 zu halbieren" und "den Anteil der Menschen an der Weltbevölkerung, die an Hunger leiden, gegenüber dem Wert von 1990" ebenfalls um die Hälfte zu reduzieren, harren nach wie vor der Realisierung.

Deshalb möchte man den G8-Gipfelteilnehmern von Heiligendamm zurufen: "Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn." (Goethe)

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[1] Bundesregierung vom 07.06.2007
[2] Frankfurter Rundschau vom 08.06.2007
[3] AG Friedensforschung an der Uni Kassel vom 08.07.2005
[4] Oxfam, Fakten, Fakten, Fakten