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24. Juli 2007, von Michael Schöfer
Der Wachstumsschock


China wächst und wächst: Im ersten Halbjahr 2007 ist das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 11,5 Prozent gestiegen. [1] Zwischen 1997 und 2006 hat die Wirtschaft dort pro Jahr im Durchschnitt um 9,1 Prozent zugelegt und das BIP erreichte 2006 eine Höhe von 2,77 Billionen US-Dollar. [2] Zum Vergleich: in Deutschland betrug es 3,05 Billionen US-Dollar. [3] Prognosen gehen jedoch davon aus, dass China die Bundesrepublik schon im Jahr 2008 überrunden wird. [4] Halten die gegenwärtigen Wachstumsraten an, würde sich das BIP Chinas bis 2014 verdoppeln und in 20 Jahren sogar verfünffachen - es läge dann über dem jetzigen Niveau der Vereinigten Staaten von Amerika.



Es dürfte klar sein, dass sich der Planet keinen zweiten Ressourcenverschwender à la USA erlauben kann. Die USA (4,6 Prozent der Weltbevölkerung) haben zur Zeit am weltweiten Erdölverbrauch einen Anteil von 24,1 Prozent, beim Erdgas sind es 21,4 Prozent und bei den Kohlendioxid-Emissionen 22,9 Prozent. Das "Reich der Mitte" (20 Prozent der Weltbevölkerung) hat beim Erdöl einen Anteil von 8,9 Prozent und beim Erdgas einen von lediglich 1,6 Prozent. Da Kohle dort rund 70 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs abdeckt, China ist Weltmeister in der Steinkohleförderung, liegt der Anteil der CO2-Emissionen bei 14,9 Prozent. [5] Noch. Es ist allerdings absehbar, dass Chinas Anteile stark ansteigen werden - zumindest wenn man die Entwicklung linear fortschreibt.



Doch gerade daran bestehen berechtigte Zweifel. Wie lange hält die Welt einen weiteren Anstieg des globalen Ressourcenverbrauchs aus (1990 - 2006 beim Erdöl plus 24,5 Prozent, beim Erdgas 40,3 Prozent)? Die Entwicklung kann gar nicht so weitergehen, das würde unweigerlich in eine ökologische und vermutlich auch ökonomische Katastrophe münden, schließlich ist China auf dem Globus nicht der einzige "Emerging Market". Insofern kann man zwar den ganzen China-Hype aus kurzfristigen ökonomischen Erwägungen heraus nachvollziehen (immerhin winken der Wirtschaft satte Gewinne), berücksichtigt man indes die langfristigen Konsequenzen, muss man viel Wasser in den Wein der Euphorie gießen.

Es sei denn, wir steuern um. Wenn die Betonköpfe in Politik und Wirtschaft nicht jahrzehntelang nach Kräften gemauert hätten, wären wir bestimmt schon viel weiter. Beispiel Windenergie: Heute beträgt hierzulande der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch 5,3 Prozent. [6] Wie wäre die Entwicklung verlaufen, wenn das Stromeinspeisungsgesetz (verantwortlicher Minister: Klaus Töpfer) nicht erst im Jahr 1991 und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (verantwortlicher Minister: Jürgen Trittin) nicht erst im Jahr 2000 in Kraft getreten wären? Vielleicht hätten wir die Zielvorgabe der schwarz-roten Koalition in Höhe von 10 Prozent für das Jahr 2020 längst erreicht oder gar überschritten.


[Quelle: Wikipedia, CC BY-SA 3.0-Lizenz, Urheber: MatthiasDD]


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[1] Spiegel-Online vom 19.07.2007
[2] Wikipedia, Volksrepublik China und Ad-Hoc-News.de vom 11.07.2007
[3] Wikipedia, Deutschland
[4] Frankfurter Rundschau vom 20.07.2007
[5] Esso-Deutschland, Oeldorado 2007, PDF-Datei mit 385 kb und Germanwatch, Klimaschutzindex 2006, PDF-Datei mit 673 kb
[6] Bundesumweltministerium, Informationsportal Erneuerbare Energien