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31. August 2007, von Michael Schöfer
Provinzbürgermeister völlig überfordert


Es verwundert manchmal schon, mit welcher intellektuellen Ausstattung man in Deutschland Bürgermeister werden kann. Normalerweise fällt das nicht groß auf - bis irgendetwas passiert. Wie in Mügeln zum Beispiel. Dort hat eine Horde von besoffenen, rechtsextrem angehauchten Jugendlichen eine Gruppe Inder durch die sächsische Kleinstadt gehetzt. Und Gotthard Deuse ist in Mügeln Bürgermeister, womit wir bereits bei der besagten intellektuellen Ausstattung wären. Zunächst hat Deuse sich verpflichtet gefühlt, seine Stadt in Schutz zu nehmen. Abgewiegelt hat er: "Ich sage klipp und klar: Rechtsextremismus schließe ich aus." Da hob mancher besorgt die Augenbrauen, hat der Mob doch laut und vernehmlich "Ausländer raus!" und "Deutschland den Deutschen!" skandiert. "Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen", erwiderte Deuse. Wirklich? Mir nicht! Die Öffentlichkeit reagierte entsetzt. Mit seinen Äußerungen zieht sich Gotthard Deuse von Mal zu Mal tiefer in den Sumpf. Jetzt hat er in einem Interview freimütig bekannt: "Warum dürfen nicht auch wir mal unseren Nationalstolz zeigen? Ich zum Beispiel bin stolz darauf, Deutscher zu sein." [1] Darf man das noch als Provinzposse abtun? Nein, dazu ist der Anlass viel zu ernst. Gotthard Deuse ist jedenfalls mit seinem Amt völlig überfordert. Er mag, als die Zeiten in der Provinz noch ruhig waren, ein guter Bürgermeister gewesen sein. Doch sobald ein Ereignis die Provinzgrenzen sprengt, kann er dem mit kleinbürgerlichem Denken nicht mehr gerecht werden. Vielleicht sollte man Deuse sogar dankbar sein, lenkt er doch das Augenmerk ungewollt auf die eigentliche Ursache: "Das Problem ist der alltägliche Rassismus", schrieb ich dazu vor ein paar Tagen. Offenbar nicht zu Unrecht. Und das Schlimmste ist, Gotthard Deuse scheint es nicht einmal zu merken. Wie gesagt, die intellektuelle Ausstattung...

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[1] n-tv vom 30.08.2007