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21. August 2007, von Michael Schöfer
Ich will auch eine Begrüßungsprämie


Klaus Kleinfeld, früherer Vorstandsvorsitzender bei Siemens, bekommt Presseberichten zufolge von seinem neuen Arbeitgeber eine Begrüßungsprämie in Höhe von 6,5 Mio. US-Dollar (4,8 Mio. Euro) - noch bevor er dort überhaupt zu arbeiten beginnt. Außerdem erhält er 1,2 Mio. Dollar (0,8 Mio. Euro) Umzugsbeihilfe. Offenbar hat Kleinfeld einen stattlichen Haushalt. Darüber hinaus gibt es noch ein Aktienpaket im Wert von 1 Mio. Dollar (0,7 Mio. Euro). "Kleinfelds Jahresgehalt ist stark erfolgsabhängig. Das Grundgehalt beläuft sich auf 1,4 Mio. $. Maximal könnte er bis zu 6,1 Mio. $ einstreichen und damit sein Siemens-Gehalt von 3,6 Mio. Euro übertreffen. Sollte Kleinfeld vor Vertragsende zum Rücktritt gezwungen oder Alcoa verkauft werden, stehen ihm zwei Jahresgehälter zu." [1]

Davon können Normalarbeitnehmer und diejenigen, die durch Kleinfelds Rationalisierungsmaßnahmen ihren Arbeitsplatz verloren haben, nur träumen. Eine Begrüßungsprämie gab es bei meinem Arbeitgeber gar nicht. Dafür erhielt ich im Oktober 2003 eine großzügige Jubiläumszuwendung für meine 25-jährige Treue: 306,78 Euro - brutto wohlgemerkt. Netto blieben mir davon ganze 134,75 Euro.

Hallo Alcoa, auch ich bin bereit, nach New York umzuziehen und Ihnen meine volle Arbeitskraft zu widmen. Darf ich Ihnen vorab meine Kontonummer übermitteln, damit sie mir Begrüßungsprämie sowie Umzugsbeihilfe überweisen können? Auf das Aktienpaket verzichte ich, denn ich weiß, sogar amerikanische Arbeitgeber müssen sparen. Beim Personal geht das halt am leichtesten. Dafür habe ich natürlich großes Verständnis. Zudem sind Aktienwerte, wie Sie vielleicht wissen, stark volatil. Ich bevorzuge deshalb Bargeld. Und bitte werfen Sie mir jetzt nicht das böse Wort "Neidkomplex" an den Kopf. Ob ich neidisch bin? Selbstverständlich, wer wäre es nicht?

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[1] Financial Times Deutschland vom 20.08.2007