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28. Oktober 2007, von Michael Schöfer
Der Klimaschwindel

(eine Rezension)

Der Klimaschwindel heißt ein Buch von Kurt G. Blüchel (Verlag C. Bertelsmann). Der Verfasser, Journalist und Sachbuchautor, bestreitet nicht, dass wir momentan in einer Phase der Klimaänderung leben. "Kein Wissenschaftler leugnet die weltweite Erwärmung", schreibt er (Seite 77). Aber Blüchel sagt, dies wäre auf unserem Planeten seit ein paar Milliarden Jahren so, mithin ein ganz normaler Vorgang: Mal wird es wärmer, mal wird es kälter. Er widerspricht allerdings vehement der Ansicht, dass wir Menschen den aktuellen Klimawandel mit unseren CO2-Emissionen verursacht haben.

Über den Tellerrand hinausblicken und sich mit abweichenden Gedanken beschäftigen, ist allemal sinnvoll. Die Wissenschaft ist keineswegs allwissend und hat sich in der Vergangenheit mehrfach geirrt. Aber die kritische Überprüfung von Theorien ist beim Wissenschaftsbetrieb systemimmanent. So erregten beispielsweise die Chemiker Stanley Pons und Martin Fleischmann 1989 mit ihrer These von der "Kalten Fusion", der Verschmelzung von Wasserstoff bei Zimmertemperatur, weltweites Aufsehen. Ihr Bericht wurde zunächst "als sensationelle Entdeckung" aufgenommen, denn damit wäre auf einfache Weise Energie aus Wasser zu gewinnen, was sämtliche Energieprobleme der Menschheit lösen könnte. Freilich vermochte niemand ihre Ergebnisse zu verifizieren. "Auch Fleischmann und Pons waren nicht in der Lage, die Versuche erfolgreich zu wiederholen." [1]

Betrug und Fälschung sind in der Wissenschaft keine völlig unbekannte Komponente. [2] Stets ist dabei, wie in allen anderen Bereichen auch, mit menschlichen Schwächen (Geltungssucht, Eitelkeit, Geldgier, Karrieredenken etc.) zu rechnen. Doch unterliegt der Wissenschaftsbetrieb durch die ständige Überprüfung von Aussagen einer wirksamen Selbstregulierung. Mit anderen Worten: Betrug und Fälschung kommen früher oder später ans Tageslicht, langfristig setzt sich die Wahrheit durch. Gleichwohl kann es zum Teil ziemlich lange dauern, mitunter sogar mehrere Jahrzehnte, bis man neue Theorien allgemein anerkennt. Anfangs werden einige vehement abgelehnt oder bestenfalls belächelt. So hat man etwa die von Alfred Wegener (1880-1930) im Jahr 1911 beschriebene Theorie der Kontinentaldrift erst nach seinem Tod, und zwar in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, allgemein akzeptiert. Sogar Wissenschaftler sind zuweilen extrem konservativ. Und der Herdentrieb tut hier sein Übriges. Wandelt Kurt G. Blüchel auf den Spuren Alfred Wegeners?

Fälschung oder wenigstens die falsche Interpretation von Daten werden auch von ihm angeführt. Als Vorwurf. Seine These ist kurz gesagt: Für die Klimaänderung ist nicht der Mensch verantwortlich, sie ist vielmehr eine natürliche Erscheinung. Unbestreitbar hat sich das Klima auf der Erde in den vergangenen Jahrmilliarden häufig geändert, warme und kalte Perioden haben sich einander abgelöst. Man denke nur an die Eiszeiten. Und zweifellos sind diese prähistorischen Klimaänderungen nicht auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Genauso, folgert Blüchel, verhält es sich auch mit der aktuellen Klimaänderung, einer Phase der extremen Erwärmung. CO2 sei angeblich gar kein Treibhausgas, behauptet er (Seite 87), obwohl man dessen Absorptionspotenzial und damit Klimawirksamkeit leicht mit einem Spektrometer nachweisen kann. Der Treibhauseffekt sei dennoch nichts anderes als eine "zum Glaubensdogma erhobene Hypothese" (Seite 62). Außerdem seien die anthropogenen CO2-Emissionen im Verhältnis zu den natürlichen CO2-Produzenten mengenmäßig zu vernachlässigen (Seite 50 ff). Scharf, oft extrem polemisch, greift er den UN-Weltklimarat (IPCC) an, der apokalyptische Weltuntergangsszenarien verbreite (Seite 193), sieht "willfährige Ökoapostel im Stile religiöser Eiferer" am Werk (Seite 127) und die "Ökodiktatur im Anmarsch" (Seite 106). Nach Blüchel ist die Erderwärmung dagegen "ein wahrer Segen", weil ein höherer CO2-Gehalt das Tier- und Pflanzenwachstum stimuliere (Seite 84).

Doch sind Blüchels Einwände fundiert und seriös zusammengetragen? So empfiehlt er etwa die von Stefan Militzer erstellte "Klimadatensammlung" CLIMDAT (Seite 46), die zwar akribisch Wetterbeschreibungen auflistet, aber keinerlei Klimadaten (Messergebnisse) aufweist. Das mag hilfreich sein, harte Fakten sehen jedoch anders aus. Wetter und Klima sind bekanntlich zwei verschiedene Dinge. Bei Militzer findet man Einträge wie "und ward ain grim kalt winter und ward so kalt umb sant Nicolaustag [06.12.1500], das etlich menschen erfrurend zu tod und die fogel desselben gelich", "Anno 1504 ist ein Comet erschienen, darauf eine grausame hitze, vnseglicher hunger vnd schreckliche pestilentz erfolget" oder "Eod. an. [1622] den 7. May kam in der Nacht ein schrecklich Gewitter mit ungemeinen Platz-Regen, davon die Töpffer-Bach so auffgeschwollen, daß sie etliche nahe gelegene Häuser und Scheunen weggeschwemmet". Solche Hinweise können die Klimaforschung unterstützen, doch entgegen dem, was der Name CLIMDAT suggeriert, finden sich dort keine Daten im eigentlichen Sinne (Temperaturaufzeichnungen, Niederschlagsmessungen etc.). Subjektive Beschreibungen sind aber nur beschränkt aussagefähig.

Ungenau ist Blüchel auch in anderen Dingen. Auf Seite 27 schreibt er zum Beispiel, dass "Charles Darwin die Welt mit der Botschaft schockte, dass die Menschen vom Affen abstammen". Wer den Wissenschaftlern des IPCC Ungenauigkeit vorwirft, sollte freilich selbst auf größte Genauigkeit Wert legen. Charles Darwin hat nämlich nie behauptet, der Mensch stamme vom Affen ab. Das wurde ihm bloß immer wieder aus böswilligen Motiven heraus unterstellt. "Seine Evolutionstheorie besagte lediglich, dass der Mensch, die Menschenaffen und die geschwänzten Affen irgendwann in grauer Vorzeit einen gemeinsamen Vorfahren gehabt und sich dann auf separaten Wegen zur heutigen Form entwickelt haben." [3]

In der Tat, in seinem Werk "Die Abstammung des Menschen" (The descent of man) schloss Darwin aus den unübersehbaren Ähnlichkeiten des Körperbaus vorsichtig auf einen "gemeinsamen Stammvater" [4] bzw. sprach von "affenähnlichen Urerzeugern" des Menschen [5]. Im englischen Originaltext bei The Complete Work of Charles Darwin Online - University of Cambridge, Page 201, schrieb Darwin von "ape-like progenitors" - affenähnlichen Stammvätern. In seinem berühmtesten Werk, "Die Entstehung der Arten" (On the origin of species), äußerte sich Darwin nur in einem einzigen Satz zu dieser naheliegenden Verbindung: "Licht wird fallen auf den Ursprung des Menschen und seine Geschichte" (Light will be thrown on the origin of man and his history). [6] "In der Wissenschaft schreibt man ab und zitiert, meidet jedoch tunlichst den Blick in die Originalarbeit", beschwert sich Blüchel (Seite 96). Wie recht er hat, übernimmt er doch kurzerhand die Formulierung der Gegner Darwins.

Ungenau geht es weiter: "Niemand von den Wissenschaftlern wusste, was sie da vor sich hatten, denn bis 1996 war diese Substanz in der freien Natur (...) völlig unbekannt." (Seite 225) Was da "bis 1996 völlig unbekannt" gewesen sein soll, ist das sogenannte Methanhydrat. "Methanhydrate gibt es in der Tundra sowie im Meeresboden der arktischen Gewässer. Sie bestehen aus einem Netz von Wasserkristallen und darin eingeschlossenem Methan." Dies schrieb ich am 18.11.1993. [7] "Weltweit kommen Hydrate in mehr als zwei- bis fünfhundert Meter tiefen submarinen Sockeln vor", stellte Greenpeace in seinem Report "Global Warming" fest - und das bereits 1990. [8] Bei Wikipedia findet man wiederum den Hinweis: "Erstmals wurde Methanhydrat 1971 im Schwarzen Meer entdeckt." [9] Offensichtlich nimmt es Blüchel nicht so genau, dafür wirft er anderen gerne laxen Umgang mit Daten vor.

Überhaupt Daten, damit hat Kurt G. Blüchel seine Schwierigkeiten. Auf Seite 79 ist eine Grafik mit den Durchschnittstemperaturen in Karlsruhe abgedruckt. Er kommentiert das Schaubild mit den Worten: "In Karlsruhe beispielsweise lagen die Durchschnittstemperaturen bereits vor mehr als 150 Jahren mit über 13 °C höher als heute." Und das, obgleich man der Grafik anhand einer Linie, die den Durchschnittsverlauf verdeutlicht, gleich auf den ersten Blick entnehmen kann, dass die Durchschnittstemperaturen in Karlsruhe seitdem gestiegen und nicht gesunken sind. Hat er das übersehen? Was Blüchel darüber hinaus zu verwechseln scheint, sind einzelne Jahreswerte mit den Durchschnittswerten eines längeren Zeitraums, also das Wetter mit dem Klima. Selbst in kälteren Perioden gibt es Ausreißer nach oben (und umgekehrt), die aber aus einer kalten Periode noch längst keine warme machen.

Zum Glück findet man im Internet die Daten der Temperaturaufzeichnungen von Karlsruhe. Mit einer kleinen Lücke zwischen 1785 bis 1798 und den Jahren 1854, 1944 sowie 1945 liegen die kompletten Monats- und Jahresdurchschnittswerte vor. Freilich folgt der einschränkende Hinweis: "Die offizielle Zeitreihe des Deutschen Wetterdienstes reicht für die Station Karlsruhe zurück bis ins Jahr 1876. Allerdings können aus verschiedenen Quellen auch Temperaturwerte aus früheren Jahren zusammengetragen werden. Die frühesten Temperaturangaben beziehen sich auf das Jahr 1779. Allgemein erscheinen in den Jahren vor 1876 manche Monatswerte sehr zweifelhaft, die gesamte Temperaturreihe vor 1876 hat wohl nur eine eingeschränkte Aussagekraft." [10] Und weil Blüchel ungenaue, sehr zweifelhafte Daten hasst, habe ich nur die Daten seit 1876 verarbeitet. Daraus ergibt sich folgendes Schaubild:


Die blauen Jahre liegen unter dem Durchschnittswert (10,2 Grad = schwarze Linie), die roten darüber. Warum Blüchel in seinem Schaubild die Daten vor 1876 nicht ebenfalls ignoriert, obgleich sie nur eine eingeschränkte Aussagekraft haben, ist angesichts seines Anspruchs auf Genauigkeit völlig schleierhaft. Vielleicht, weil die "sehr zweifelhaften" Daten vor 1876 seine These, die Durchschnittstemperaturen seien vor über 150 Jahren höher gewesen als heute, auf den ersten Blick unterstützen.

Jedoch wirklich nur auf den ersten Blick. Wie man beim nachfolgenden Schaubild leicht erkennen kann, liegen die Temperaturen im 11-jährigen Mittel (rote Linie) auch vor 1876 nicht höher als heute. Und der ansteigende Trend über den gesamten Zeitraum hinweg (gestrichelte Linie - das ist die, die er in seinem Buch "übersehen" hat) widerspricht ebenfalls seiner These.

[Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Bernhard Mühr]

Sieht man einmal ganz von der Zweifelhaftigkeit der Daten ab, gehen zwar einzelne Jahre über den heutigen Wert hinaus. Was aber beim Klima, im Gegensatz zum Wetter, wirklich wichtig ist, ist der langjährige Trend. Und der ist alarmierend.

Apropos Genauigkeit, die wärmste Jahresdurchschnittstemperatur wird im Jahr 1822 mit 12,5 Grad Celsius verzeichnet. Von wegen "über 13 Grad". Der Unterschied zwischen Blüchels Angabe und den tatsächlich gemessenen Temperaturen ist immerhin fast der Wert, den die Wissenschaftler des IPCC für den Zeitraum von 1850-2005 ansetzen: "Der gesamte Temperaturanstieg von 1850-1899 bis 2001-2005 beträgt 0,76 [0,57 bis 0,95] ºC." [11] Keine Kleinigkeit also.

Betrachtet man die Unterteilung der Durchschnittstemperaturen in Dekaden (vgl. Tabelle), wird deutlich, dass es Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine Warmphase gab, die indes eindeutig nicht über den heutigen Wert hinausgeht. Die letzte Dekade des 20. Jahrhunderts (1991-2000) ist mit Abstand die wärmste.

Zeitraum 10-jähriges Mittel in °C
1801 - 1810 10,3
1811 - 1820 10,1
1821 - 1830 10,9
1831 - 1840 10,5
1841 - 1850 10,5
1851 - 1860 9,9
1861 - 1870 10,1
1871 - 1880 9,7
1881 - 1890 9,6
1891 - 1900 9,9
1901 - 1910 9,8
1911 - 1920 10,1
1921 - 1930 10,2
1931 - 1940 10,1
1941 - 1950 10,0
1951 - 1960 10,1
1961 - 1970 10,0
1971 - 1980 10,3
1981 - 1990 10,5
1991 - 2000 11,2


Einzelne Wetterstationen sind zudem wenig repräsentativ, dazu bedarf es einer großräumigen Erfassung. In England werden schon seit langem Wetterdaten aufgezeichnet. [12] Obgleich die Einschränkungen der Erfassung (analog zu Karlsruhe) hier ebenfalls gelten dürften, ist der Trend unverkennbar: Die wärmste Periode ist die jetzige.


Die Daten über die globale Temperaturentwicklung sind nach Blüchel natürlich gefälscht, um den Mythos des Treibhauseffekts aufrechtzuerhalten. Angesichts der Anzahl der beteiligten Wissenschaftler und Forschungsinstitute wahrlich eine Weltverschwörung. Und dazu gesellt sich jetzt sogar noch das Nobelpreiskomitee.

Globale Temperaturabweichung 1850-2006
[Quelle: Climatic Research Unit, University of East Anglia, Großbritannien]

Einen Hinweis auf die Wechselwirkung von CO2 und Temperatur geben die Daten, die Wissenschaftler aus Eisbohrkernen gewinnen. Durch die Luft, die dort in winzigen Bläschen eingeschlossen ist, können sie den CO2-Anteil und aufgrund der Häufigkeit von Sauerstoffisotopen auch die Temperatur rekonstruieren. Gletscher sind eine klimatische Zeitmaschine, je tiefer man kommt, desto weiter reicht der Blick zurück in die Vergangenheit. Zum Beispiel in der russischen Forschungsstation Vostok auf der Antarktis. Dort "wurde gemeinschaftlich mit den Franzosen ein Eiskern aus dem mächtigen Eispanzer der Antarktis gebohrt, der Aussagen der Klimabedingungen in den letzten 420.000 Jahren hervorbrachte." [13] Die Übereinstimmung ist frappierend.

Korrelation zwischen CO2- und Temperaturverlauf
[Quelle: UNEP/GRID-Arendal, United Nations Environment Programme]

Bei höherer Auflösung sehe man, "dass die Temperaturverändungen in den letzten 400.000 Jahren den Änderungen der CO2-Konzentration um 400 bis 4000 Jahre vorausgehen" (Seite 70), kontert Blüchel. Den Beweis bleibt er allerdings schuldig. Die von ihm als Beleg angegebene Quelle ist der Brite Viscount Monckton of Brenchley - ein gelernter Journalist, der u.a. mit der Ansicht hervorgetreten ist, dass es nur eine Möglichkeit gibt, AIDS zu stoppen: Die gesamte Bevölkerung regelmäßig (monatlich) zu untersuchen und alle, die mit dem Virus infiziert sind, sofort und dauerhaft (d.h. lebenslang) zu isolieren. Zwangsweise, versteht sich. [14]

Besonders bizarr wird Blüchel im vierten Kapitel. "Man hat inzwischen auch festgestellt, dass das Gehirn auf elektromagnetische Frequenzen, die ihm von außen gewissermaßen 'angeboten' werden und die im richtigen Frequenzbereich liegen, reagiert. (...) Auch eine Reihe von parapsychologischen Phänomenen dürfte sich darauf zurückführen lassen." (Seite 157) Das HAARP-Projekt gibt ihm Anlass zur Befürchtung, man könne auf diese Weise "klammheimlich bestimmte Botschaften direkt in die Gehirne Tausender ahnungsloser Menschen" einspeisen. Baut man dort an einer "riesigen Meditationsmaschine", fragt er besorgt (Seite 158). Doch es kommt noch besser, denn mit den elektromagnetischen Wellen könne man sogar das Wetter beeinflussen. Ein militärisches Druckmittel für in Sachen CO2 aus der Reihe tanzenden Nationen? "Hat vielleicht schon mal jemand an der weltweiten Wetterschraube gedreht?" Die unbestreitbaren Wetterkapriolen der letzten zwei Jahrzehnte könnten auch darauf zurückzuführen sein, und nicht auf das Kohlendioxid, meint er (Seite 159).

Gleich danach kommt Blüchel auf keltische Druiden und Schamanen zu sprechen. Die hätten womöglich mit Hilfe solcher niederfrequenten Wellen bei ihren Feinden die Sinne verwirrt (Seite 163). Ja, ja, der "druidische Wind". Kurz danach fragt Blüchel: "Können Indianerrituale wirklich das Wetter beeinflussen? Die Tatsache, dass die fundamentalen Erdfrequenzen (Schumann-Frequenzen), wie wir gesehen haben, auch vom menschlichen Gehirn produziert werden, lässt immerhin den Schluss zu, dass der Mensch unter Umständen in der Lage sein könnte, mental auf die atmosphärischen Vorgänge des Wetters Einfluss zu nehmen." (Seite 164) "Die Wechselwirkung zwischen menschlichem Gehirn und atmosphärischen Wellen" sei "keine Einbahnstraße". Vor allem "in der russischen Parapsychologie" herrsche die Ansicht vor, Telepathie (die Fähigkeit, Informationen von einem Menschen zu einem anderen Menschen zu übertragen) oder Psychokinese (die Fähigkeit, allein durch Gedankenkraft physikalische Kraft auszuüben) könnten derartige Wellen als Träger benutzen (Seite 165). Merke: Das Klima lässt sich zwar nicht durch CO2-Emission beeinflussen, aber eventuell durch Druiden, Indianerrituale oder Telepathie.

Kein Wunder, dass sich Blüchel in der Reihe derer sieht, die "neuerdings gezielt als 'Klimaleugner' diffamiert" werden. "Wobei vermutlich eine Nähe zum 'Holocaust-Leugner' billigend in Kauf genommen wird." (Seite 217) Die Nazi-Analogie darf selbstverständlich nicht fehlen. Vorausschauend stilisiert er sich schon einmal zum Märtyrer, der den Vereinten Nationen ("Zuchtanstalt für Gleichschaltung des Wissens") zum Opfer fallen könnte. Angesichts des erschreckend schwachen Niveaus seines Buches, braucht er sich um Gegenwind wahrlich nicht zu sorgen. Wieso der renommierte Bertelsmann-Verlag überhaupt ein derartiges Machwerk verlegt, ist unverständlich. Eine ernsthafte, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Streitschrift hätte durchaus zur Diskussion beigetragen. Bedauerlicherweise sucht man gerade das bei Blüchel vergeblich.

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[1] Wikipedia, Kalte Fusion
[2] siehe Wikipedia, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft
[3] Tierlobby.de
[4] Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1982, Seite 197
[5] deutsche Übersetzung von 1875, E. Schweizerbart'sche Verlangshandlung, Seite 205, PDF-Datei mit 299 kb
[6] On the Origin of Species, Seite 222, Volltext in Englisch, PDF-Datei mit 600 kb
[7] siehe Die Zukunft der Menschheit vom 18.11.1993, 2.5 Rückkopplungseffekte
[8] Global Warming, Piper, München/Zürich 1991, Seite 71
[9] Wikipedia, Methanhydrat
[10] Die Temperaturverhältnisse in Karlsruhe 1799 bis 2007
[11] Klimaänderung 2007, deutsche Übersetzung des IPCC-Berichts aus dem Jahr 2007, Seite 5, PDF-Datei mit 4,1 MB
[12] MetOffice
[13] Wikipedia, Wostok-Station
[14] Wikipedia, Christopher Monckton, 3rd Viscount Monckton of Brenchley