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18. August 2008, von Michael Schöfer
Beliebige Begründungen


Anfang Januar habe ich in "Preisanstieg an den Zapfsäulen nicht erklärbar" darauf hingewiesen, dass der Höhenflug des Euro im Jahr 2007 den stark gestiegenen Rohölpreis vollständig kompensierte. Von daher hätten die Autofahrer im Januar 2008 an den Zapfsäulen nicht 15 bzw. 21 Prozent mehr zahlen müssen als im Januar 2007, sondern in etwa den gleichen Preis.

Nun ist momentan, wie die Frankfurter Rundschau berichtete, der Preis für ein Barrel Öl aufgrund der geringeren Nachfrage von mehr als 147 Dollar auf rund 113 Dollar gesunken. [1] Der Benzinpreis an den Tankstellen müsste demzufolge ebenfalls sinken. Tut er aber nicht, denn er ist trotz allem erneut gestiegen. "Grund ist nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) der erstarkte Dollar, der den Rückgang beim Ölpreis aufhebe."

Wenn die jetzt vorgetragene Begründung (sinkender Rohölpreis wird von steigendem Dollar aufgehoben) wirklich stimmt, hätten die Benzinpreise an den Zapfsäulen im vorigen Jahr jedoch keinesfalls teurer werden dürfen (steigender Rohölpreis wird von sinkendem Dollar aufgehoben). Aber die Logik des Jahres 2008 hat offenbar im vorigen Jahr noch nicht gegolten. Mit anderen Worten: Die Begründungen der Mineralölwirtschaft sind vollkommen beliebig, was herauskommt sind jedenfalls steigende Benzinpreise an den Zapfsäulen.

Kein Wunder, wenn etwa die Gewinne von ExxonMobil im Jahr 2007 auf das Rekordniveau von 40,6 Mrd. US-Dollar gestiegen sind, Shell verdiente im gleichen Zeitraum 31,3 Mrd. Dollar. [2]

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[1] Frankfurter Rundschau vom 17.08.2008
[2] Spiegel-Online vom 01.02.2008