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02. August 2017, von Michael Schöfer
Wirtschaftsflüchtlinge


Jeder Fünfte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund, melden die Gazetten heute. Häufig wird erwähnt, dass die Türkei noch immer mit Abstand das wichtigste Herkunftsland ist. Der Untergang des Abendlandes fällt dennoch aus, weil von den 18,576 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund 6,598 Mio. (35,5 %) aus den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union kommen. Und einer der Grundpfeiler der EU ist schließlich die Freizügigkeit. Zugegebenermaßen ist der Zustrom aus dem Nahen Osten und Afrika zuletzt stark gewachsen.

Meine Vorfahren stammen übrigens auch aus Afrika. Wenn sie nicht schon lange vorher eingewandert sind, kamen sie spätestens mit der letzten großen Einwanderungswelle vor 45.000 bis 29.000 Jahren hier an. Inzwischen gilt meine Familie jedoch als vollständig assimiliert. Nur der Winter macht mir alljährlich noch zu schaffen - vermutlich ein genetisches Relikt meiner Urahnen, die ja aus tropischen Gefilden kamen. Grenzen gab es damals keine, ebenso wenig ein Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Unter Umständen wären nämlich meine Vorfahren zurückgeschickt worden, denn soweit ich weiß, haben sie sich einst in Europa ein besseres Leben versprochen.

Wirtschaftsflüchtlinge sozusagen. Und wenn ich die Lebensverhältnisse hier und dort vergleiche, war ihre Einschätzung goldrichtig. Dem Horst Seehofer seine Vorfahren stammen ebenfalls aus Afrika, genauso wie die von Frauke Petry und Jörg Meuthen. Aber ich habe mich schon immer dagegen gewehrt, alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren.