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24. Februar 2020, von Michael Schöfer
Das Misstrauen wird größer


Sagen die Behörden über das neue Coronavirus die Wahrheit? Die Zweifel wachsen, das Misstrauen wird größer.

"Erneut starker Neuinfektionsanstieg in China. (...) Die Zahl der Toten durch das Coronavirus in China ist wieder stark angestiegen. Die nationale Gesundheitskommission in Peking berichtete über weitere 150 neue Covid-19-Todesfälle - so viele wie noch nie innerhalb eines Tages. Damit sind in der Volksrepublik schon 2592 Todesfälle zu beklagen. Die Zahl der neu nachgewiesenen Infektionen kletterte weiter um 409. Insgesamt sind in Festlandchina damit schon 77.150 bestätigte Ansteckungen registriert. Die überwiegende Zahl der neuen Todesfälle und Infektionen mit dem Sars-CoV-2 genannten Coronavirus wurden aus der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina gemeldet", meldete tagesschau.de heute um 06:47 Uhr. [1]

12 Stunden danach die Überraschung: "Nach Ansicht der WHO hat die Coronavirus-Epidemie in der am schwersten betroffenen Millionenstadt Wuhan ihren Höhepunkt überschritten. Die Risiken würden abnehmen, sagte Aylward. Chinas Nationale Gesundheitskommission erklärte, der schnelle Anstieg der Infektionen in Wuhan sei gestoppt, die Epidemie damit allerdings noch nicht beendet", meldete tageschau.de heute um 18:43 Uhr. [2] Wuhan liegt bekanntlich in der Provinz Hubei. Und während der WHO-Experte Bruce Aylward Optimismus verbreitet, zeigte sich der Direktor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, recht pessimistisch. [3]

Zwei Meldungen an einem Tag: In der einen wird von einem starken Anstieg der Toten und einem weiteren Anstieg der Infektionen gesprochen. Laut der anderen hätte die Epidemie angeblich ihren Höhepunkt überschritten und der schnelle Anstieg der Infektionen sei gestoppt worden. Was soll denn nun der Laie glauben? Was ist wahr? Insbesondere gegenüber China muss man misstrauisch sein. "China meldet deutlich weniger Infizierte", hieß es am 20. Februar. [4] Allerdings beruhte das bloß auf einer neuen Zählweise. Und die wurde mehrfach gewechselt. Mittlerweile haben sich Italien, Südkorea und der Iran zu einem Hotspot entwickelt. Natürlich sollte man Panik unbedingt vermeiden, die ist in so einer Situation der schlechteste Ratgeber. Zur Vermeidung derselben ist aber Aufrichtigkeit der Behörden das oberste Gebot, bei sich widersprechenden Angaben steigt jedoch das Misstrauen. Und Letzteres ist der beste Nährboden für Panik.

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[1] tagesschau.de vom 24.02.2020
[2] tagesschau.de vom 24.02.2020
[3] Süddeutsche vom 24.02.2020
[4] tagesschau.de vom 20.02.2020