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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950,
britischer Schriftsteller)
"Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben."
(André Gide, 1869-1951,
französischer Schriftsteller)
"Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht."
(Abraham Lincoln, 1809-1865,
amerikanischer Politiker)
"Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind."
(Kohelet Salomo)



28. August 2025, von Michael Schöfer
Wem gehört der Mensch?


Ungeachtet der Schieflage bei Vermögen und Einkommen wird verstärkt über ein soziales Pflichtjahr nachgedacht. Anstatt die finanzielle Ungleichverteilung zu korrigieren, sollen Junge und Alte zu Zwangsdiensten verpflichtet werden. Johann Wadephul, damals noch kein Außenminister, sondern stellvertretender Vorsitzender der oppositionellen CDU/CSU-Bundestagsfraktion, forderte 2024 "eine Wehrpflicht nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen". Serap Güler, heute Staatsministerin im Auswärtigen Amt, schloss sich dem an. Dafür wäre allerdings eine Grundgesetzänderung notwendig. Grotesk: Die CDU hat nicht einmal eine echte Frauenquote, die bei der Aufstellung von Kandidaten für öffentliche Wahlen zwischen den Geschlechtern durchgehend halbe-halbe macht, aber wenn es um Zwangsdienste geht, entdeckt sie plötzlich die Gleichberechtigung.




28. August 2025, von Michael Schöfer
Reflexhafte Einwände


Neuerdings werden ja gerne die Generationen gegeneinander ausgespielt, dabei ist die wahre Kluft nicht die zwischen Jung und Alt, sondern die zwischen Reich und Arm. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank besitzen die reichsten 10 Prozent der Haushalte 54 Prozent des gesamten Nettovermögens (Stand 2023). Da die Daten jedoch auf Befragungen beruhen, die sehr vermögenden Haushalte aber selten an der Stichprobe teilnehmen, schätzt die Bundesbank deren Anteil nach Bereinigung dieser Untererfassung auf 60,5 Prozent. Der Anteil der unteren Hälfte der Bevölkerung am Nettovermögen beträgt hingegen magere 2,4 Prozent.




26. August 2025, von Michael Schöfer
Die Tyrannei ist nicht mehr fern


Donald Trump hat schon im Wahlkampf mit der Diktatur kokettiert: Er würde "im Falle seiner Wiederwahl nicht zum Diktator - außer am ersten Tag seiner Amtszeit". Man muss ihm attestieren, dass er konsequent darauf hinarbeitet, aus den USA peu à peu eine Diktatur zu machen. Der Gedanke lässt ihn nicht los. "Sie sagen: 'Wir brauchen ihn nicht. Freiheit, Freiheit, er ist ein Diktator, er ist ein Diktator', sagte Trump gegenüber Reportern im Oval Office. 'Viele Leute sagen: Vielleicht mögen wir einen Diktator. Ich mag keine Diktatoren. Ich bin kein Diktator. Ich bin ein Mann mit viel gesundem Menschenverstand und ein kluger Mensch." Erfahrungsgemäß hört man von ihm selten die Wahrheit. Natürlich hätte Trump am ersten Tag seiner Amtszeit nicht sofort eine Diktatur errichten können, aber in den mittlerweile sieben Monaten im Oval Office arbeitete er sich scheibchenweise an die Gewaltherrschaft heran. Durchaus mit Erfolg, denn bislang hat er von niemandem ernsthaften Widerstand zu erwarten.




23. August 2025, von Michael Schöfer
Dieser Wahnsinn wird kein gutes Ende nehmen


Es ist eine Schande, was die Welt im Gazastreifen sehenden Auges hinnimmt. Es ist vor allem eine unglaubliche Schande für Israel selbst. Es war ein Mythos, dass die Israelis angesichts der Verbrechen, die den Juden jahrhundertelang angetan wurden, die besseren Menschen sind. Sie sind, im Guten wie im Schlechten, so wie alle anderen auch. Und diese israelische Regierung repräsentiert zweifellos das Schlechte.




22. August 2025, von Michael Schöfer
Wo liegt bloß dieses sagenumwobene Wolkenkuckucksheim?


Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), schlug vor kurzem eine Sonderabgabe für wohlhabende Rentner vor, die er "Boomer-Soli" nannte. Sein genialer Gedanke: Boomer zahlen für Boomer. Ökonomen wirft man ja oft vor, im Wolkenkuckucksheim zu leben, ob das auch auf Fratzscher zutrifft, kann ich in Ermangelung seiner Privatadresse nicht bestätigen, halte es aber für wahrscheinlich. Die Sonderabgabe lässt er - je nach Szenario - bei 902 Euro bzw. 1.048 Euro beginnen, alle darüber liegenden Alterseinkünfte sollen mit einer proportionalen Abgabe von zehn Prozent belastet werden. Ich weiß ja nicht, wo der sagenumwobene Ort Wolkenkuckucksheim genau liegt, was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass dort die Lebenshaltungskosten und Mieten ziemlich niedrig sein müssen, denn wo, außer in Wolkenkuckucksheim, gelten Rentner mit rund 1.000 Euro Rente als "wohlhabend" (vulgo reich)?




22. August 2025, von Michael Schöfer
Luftbuchungen


Nun liegt die offizielle Rahmenvereinbarung für das Zollabkommen der Europäischen Union mit den Vereinigten Staaten vor. "Sie bestätigt: EU-Exporte in die USA sollen mit einem Basiszoll von 15 Prozent belegt werden. Der gilt auch für Autos. (…) In den nächsten drei Jahren sollen demnach europäische Unternehmen in Amerika Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar einkaufen: Flüssigerdgas, Öl und Kernbrennstoffe aus den USA könnten die Lücken füllen, die nach dem vollständigen Verzicht auf russisches Gas und Öl entstehen, so das Argument der Kommission. Daneben steht nun auch in der Rahmenvereinbarung das pauschale Versprechen, Europa werde in den kommenden Jahren weitere 600 Milliarden Dollar in den USA investieren." Die Zölle auf alle US-Industriegüter entfallen hingegen komplett. 15 Prozent auf alles (außer Stahl und Aluminium, für die 50 % erhoben werden) stehen somit null Prozent gegenüber.




20. August 2025, von Michael Schöfer
Ärztemangel?


"In Deutschland gibt es nicht genügend Medizin-Studienplätze, um den Ärztemangel zu beheben", meldet der Deutschlandfunk. Jeder kennt das Problem: Wenn man einen Termin beim Arzt haben will, bekommt man einen erst Wochen oder sogar Monate später. Alle reden vom Ärztemangel, aber gibt es ihn tatsächlich?




13. August 2025, von Michael Schöfer
Alternative Fakten


US-Präsident Donald Trump hat vor kurzem die Leiterin der Arbeitsmarktstatistikbehörde, Erika McEntarfer, entlassen, weil ihm ihre Zahlen nicht gefielen. Nun, wo er recht hat, da hat er nun mal recht. Schlechte Arbeitsmarktdaten lassen selbst den König von Amerika in einem ungünstigen Licht erscheinen. Nicht, dass noch jemand anfängt, an seiner überragenden Wirtschaftskompetenz zu zweifeln. Gott bewahre! Zum Glück ist die Rettung schon in Sicht, Trump hat nämlich E. J. Antoni zum neuen Chef des Bureau of Labor Statistics nominiert. "Unsere Wirtschaft boomt, und E. J. wird dafür sorgen, dass die veröffentlichten Zahlen EHRLICH und GENAU sind", schrieb er auf Truth Social. Ist doch sonnenklar, dass ein MAGA-Kumpel mit Zahlen viel besser umgehen kann als die von Joe Biden als Agentin ins BLS eingeschleuste McEntarfer. Zumal sie, was bei der Angelegenheit erschwerend hinzukam, auch noch eine Frau ist. Und wie wir wissen, schätzt Donald Trump an Frauen alles, bloß nicht das, was sie zwischen den Ohren haben. You can grab ’em by the … Genau!




06. August 2025, von Michael Schöfer
Mut zum Widerstand oder Selbstverzwergung?


Was befürchtet wurde, tritt nun wie von Kritikern prognostiziert ein: US-Präsident Donald Trump stellt schon gut eine Woche nach der Zollvereinbarung mit der EU zumindest Teile der Vereinbarung wieder infrage. Die Europäische Kommission interpretiert die am 27. Juli in Schottland getroffene Absprache wie folgt: "EU-Unternehmen haben Interesse daran bekundet, bis 2029 mindestens 600 Mrd. USD (ca. 550 Mrd. EUR) in verschiedene US-Sektoren zu investieren und so die bereits erheblichen Investitionen in Höhe von 2,4 Bio. EUR weiter aufzustocken." Diese rechtlich unverbindliche Absichtserklärung hat das Weiße Haus bereits am 28. Juli etwas anders ausgelegt: "Die EU wird während der Amtszeit von Präsident Trump 600 Milliarden US-Dollar in den USA investieren. Diese neuen Investitionen kommen zu den über 100 Milliarden US-Dollar hinzu, die EU-Unternehmen bereits jedes Jahr in den USA investieren."




05. August 2025, von Michael Schöfer
Putins "Haltet-den-Dieb!"-Taktik


Man kann zur Zollpolitik von Donald Trump stehen wie man will, dass er die Weltgemeinschaft damit ordentlich aufmischt, dürfte keiner bestreiten, nicht einmal sein größter Feind. Und wenn Sanktionen nicht wirken würden, hätte Kremlsprecher Dmitrij Peskow ein ruhigeres Leben. Aber weil Sanktionen selbst den sich betont gelassen gebenden Wladimir Putin mächtig stören, musste er sich jetzt zu Wort melden. Indirekt, über seinen Sprecher.




05. August 2025, von Michael Schöfer
Vergleiche hinken oft, aber sind sie auch strafbar?


"Die Spanierin Teresa Ribera (...), stellvertretende Präsidentin der EU-Kommission, fühlte sich beim Anblick der Hungerbilder aus Gaza an die Befreiung von Auschwitz und an das Warschauer Ghetto erinnert. Sie fand für die Aussage viel Zustimmung in einem Land, das stark vom Anti-Imperialismus geprägt ist. Ihre Chefin Ursula von der Leyen, geprägt von der Erinnerung an den Holocaust, würde so etwas niemals sagen - und wenn doch, würde sie in Deutschland einen Skandal ersten Ranges provozieren", schreibt die Süddeutsche.




04. August 2025, von Michael Schöfer
Trump fährt die USA an die Wand


Unternehmen von Donald Trump mussten mehrfach Insolvenz anmelden, trotzdem genießt er bei seinen Wählerinnen und Wählern das Image eines Businessgenies, was allerdings nach Aussage von Russ Buettner und Susanne Craig, beide Journalisten arbeiten bei der New York Times, auf die Reality-TV-Show "The Apprentice" zurückzuführen ist. Bevor Trump diese Show übernahm, steckte er laut Buettner und Craig in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten.




28. Juli 2025, von Michael Schöfer
Mehr war nicht drin?


Das Zollabkommen zwischen den USA und der EU hätte man wesentlich schneller und billiger haben können. "Ach, genialer Donald, wir kapitulieren, bitte behandle uns gnädig." Und wenn ihn Olaf Scholz obendrein schon im Februar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hätte, anstatt es Benjamin Netanjahu zu überlassen, wäre der US-Präsident uns Europäern bestimmt wohlgesonnen gewesen. Dann wäre vielleicht mehr drin gewesen. Die Einigung auf einen einseitigen (!) Basiszoll von 15 Prozent für Waren, die von der EU in die USA exportiert werden, während Warenexporte der USA in die EU künftig zollfrei bleiben, ist nur für Donald Trump ein großer Deal. Für Europa ist es eine Unterwerfung.




23. Juli 2025, von Michael Schöfer
Merz' lockerer Umgang mit der Wahrheit


Die Situation für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen wird immer schlimmer, weshalb 29 Nationen in einer gemeinsamen Erklärung von Israel fordern: "Der Krieg im Gazastreifen muss jetzt enden. Das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza hat ein neues Ausmaß erreicht. Das Hilfsmodell der israelischen Regierung ist gefährlich, fördert Instabilität und beraubt die Gaza-Bewohner ihrer Menschenwürde. (…) Die Verweigerung lebenswichtiger humanitärer Hilfe durch die israelische Regierung für die Zivilbevölkerung ist inakzeptabel. Israel muss seinen Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht nachkommen. (…) Wir fordern alle Parteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und die Verpflichtungen des humanitären Völkerrechts einzuhalten. Vorschläge, die palästinensische Bevölkerung in eine 'humanitäre Stadt' zu bringen, sind völlig inakzeptabel. Dauerhafte Zwangsvertreibungen sind eine Verletzung des humanitären Völkerrechts. Wir lehnen jegliche Schritte zu territorialen oder demografischen Veränderungen in den besetzten palästinensischen Gebieten entschieden ab."